FRIESOYTHE/BöSEL - Fehlstunden, vor allem unentschuldigte Fehlstunden, brechen manchem Hauptschüler das Genick. Bewirbt er sich bei potentiellen Arbeitgebern, gucken die meist auf Fehlstunden. Hat der Schüler zu viel gefehlt, hat er keine Chance auf einen Ausbildungsplatz. „Die Fehlstunden sind uns meist viel wichtiger als die Noten“, hat Rainer Tapken, Inhaber der Bürgerklause in Garrel, einmal gesagt. Denn sie sagten auch etwas über Arbeitsmoral aus. Damit Hauptschüler und Jugendliche ohne Schulabschluss eine Chance bekommen, vermittelt die ARGE sie etwa an die Jugendwerkstatt „Sozialer Briefkasten“ in Friesoythe. Dort bekommen sie eine sinnvolle Beschäftigung. „Arbeitsgelegenheit“ nennt sich das, und die dauert in der Regel sechs Monate.

Über Möbelverkauf hinaus

Im „Sozialen Briefkasten“ gibt es den Möbelverkauf – die gespendeten Möbel müssen aufbereitet und bei Bedarf auch aufgebaut werden. Doch es gibt auch eine Werkstatt, die Möbel und Einrichtungen selbst herstellt. „Viele denken, dass bei uns nur gebastelt wird“, sagt Ludger Janßen. Der Tischler-Geselle bildet in der Jugendwerkstatt aus. Auch die über sogenannte Arbeitsgelegenheiten beschäftigten Jugendlichen arbeiten in der Werkstatt.

Der Soziale Briefkasten – getragen vom Sozialdienst Katholischer Männer – hat in diesem Jahr auch kräftig am Kindergarten St. Raphael in Bösel mitgearbeitet. „Wir haben viele Einzelstücke angefertigt“, sagt Ludger Janßen. So haben Janßen und Timo Hillbrands gemeinsam mit den zwei Tischler-Auszubildenden, dem Lehrling für Möbel-, Küchen- und Umzugsservice, dem Umschüler (Holzbearbeiter) und den Jugendlichen etwa Küchenschränke, Küchenzeilen, Regalböden, einen Kindertisch und Trennwände für Kindertoiletten gebaut. „Ich habe die Planung der Arbeiten übernommen“, sagt Janßen. „Mit den Auszubildenden und den Jugendlichen haben wir das dann gebaut.“

In Bösel haben sie aber auch anderweitig gearbeitet. Im Kindergartentrakt, der saniert wurde, haben sie das Möbelabbauen, Transportieren und Zwischenlagern übernommen.


Praxis hilft Jugendlichen

Die Einrichtung arbeitet schon seit Jahren eng mit und für örtliche Kindergärten. Im Don-Bosco- und im St.-Christopherus-Kindergarten waren sie tätig. Für St.-Christopherus hat die Jugendwerkstatt etwa ein großes Bett gebaut. Diese Anfertigung gefiel so gut, dass jetzt sogar schon ein zweites Bett geordert und sogar schon fertiggestellt ist.

Für die Leiterin des Sozialen Briefkastens, Iris Schulze, ist klar: „Über das praktische Tun platzt bei vielen Jugendlichen der Knoten.“

Olaf Fiswick macht ganz regulär seine Tischlerlehre in der Jugendwerkstatt. Er ist im zweiten Lehrjahr und zufrieden mit dem, was er für den Böseler Nachwuchs geschaffen hat. Als die Kindergartenkinder zeigen, wie die Toilettentüren auf- und zugehen, schmunzelt er. Ein Heimspiel. Olaf Fisweck hat die Elemente hergestellt.