FRIESOYTHE - Josef Schweigatz ärgert sich über zusätzlich berechnete 7,30 Euro pro Lieferung. Mit dem Geld bezahlt sein Zulieferer die Mautgebühren und die Kosten für Sicherheits-Maßnahmen.

von steffen szepanski

FRIESOYTHE - Josef Schweigatz traute seinen Augen kaum, als er die Rechnung für seine Diesel-Lieferung betrachtete. Jeweils 7,30 Euro müsse der Rentner und Hobby-Landwirt aus Friesoythe für eine Diesel- und eine Heizöl-Lieferung vom Oldenburger Unternehmen Klaus Köhn zusätzlich bezahlen. Aufgeführt ist der Kostenpunkt unter dem Stichwort Maut/ADR (Gefahrengut).

„Da werden Kosten mal wieder auf den kleinen Mann abgewälzt“, schimpft Schweigatz. Klauspeter Köhn, Geschäftsführer des Unternehmens, versteht die Verärgerung seines Kunden, verteidigt aber auch die Entscheidung, die Kosten für die Maut an die Kunden weiterzugeben. „Wir haben durch die Gebühren 40- bis 50 000 Euro Mehrkosten im Jahr, die wir anders nicht stemmen können.“

Josef Schweigatz ist schon seit über einem Jahrzehnt Kunde bei dem Oldenburger Unternehmen. Er bestellt regelmäßig Diesel für seine landwirtschaftlichen Fahrzeuge und Heizöl bei Klaus Köhn. Negativ aufgefallen ist dem Rentner und seiner Frau Jutta nicht nur der Posten Maut/ADR an sich, sondern auch, dass er 7,30 Euro für die Diesel-Lieferung und noch einmal für die Heizöl-Lieferung bezahlen musste. „Dabei sind doch beide Ladungen mit einem Laster angeliefert worden“, sagt Jutta Schweigatz. „Und überhaupt“, fügt Josef Schweigatz an, „welche Autobahn muss der LKW denn bitteschön nutzen, wenn er von Oldenburg nach Friesoythe fährt?“

„Die Maut-Gebühren fallen auch nicht auf der Strecke Oldenburg-Friesoythe an“, sagt Klauspeter Köhn, „sondern auf der Strecke Wilhelmshaven-Oldenburg. Der Kraftstoff wird in Wilhelmshaven produziert und muss ja erst einmal nach Oldenburg verbracht werden.“ Der

Geschäftsführer ist selber verärgert. „Wir werden zu Steuereintreibern des Staates“, schimpft Köhn, „da wir die uns aufgehalsten Kosten nur tragen können, wenn wir die Preise erhöhen“. Mit „wir“ meint Köhn Konkurrenzunternehmen. „Es ist normal, dass die Unternehmen die irre Belastung durch die Mautgebühren an die Kunden weitergeben, nur erhöhen viele Firmen den Preis, ohne die Maut als Extra-Posten aufzuführen.“ Köhn hat inzwischen entschieden, dass der Begriff Maut auch auf seinen Rechnungen nicht mehr

erscheint. „Der Posten ADR/Maut wird in Zukunft nur noch als ADR aufgeführt“, sagt der Geschäftsführer. „Der Begriff hat viele Kunden irritiert, die sich daraufhin bei uns gemeldet haben“, sagt Köhn. „Denen konnten wir unsere schwierige Lage dann erklären.“ Die Maut mache sowieso nur einen kleinen Teil der 7,30 Euro aus, die er seinen Kunden zusätzlich berechne. Den größeren Teil würden die unter dem Punkt ADR laufenden erhöhten Kosten für Sicherheitsmaßnahmen ausmachen. „Durch die neuen Auflagen des Gesetzgebers mussten wir teurere Fahrzeuge kaufen und viel Geld für Schulungen unserer Fahrer ausgeben“, berichtet Köhn.

Der Ärger ist in diesem Fall auf beiden Seiten groß. Bei Klauspeter Köhn über die Maut an sich, bei Josef Schweigatz, dass er als Kunde damit belastet wird. Aber letztendlich gibt sich Schweigatz versöhnlich. „Ich werde dem Unternehmen wohl treu bleiben, schließlich wird es wahrscheinlich bei anderen Unternehmen nicht anders sein.“