FRIESOYTHE - Die Landwirte haben mehr Verwaltungsaufwand. Die Größenangaben des Katasteramtes entsprechen nicht dem Landschaftsbild.
Von Karin Olliges
FRIESOYTHE - Ist ein Feld „überlaufen“, liegt das nicht nur an den starken Regenfällen. Der Grund kann auch eine ungenaue Größenangabe beim Acker sein. Dann nämlich stimmen die Angaben des Landwirts nicht mehr mit den ermittelten Werten aus den Flugbildern überein. Das, was sich hinter dieser Maßnahme verbirgt, nennt sich „AgrarGIS“ – ein Geoinformationssystem im Landwirtschaftsbereich. Die Agrarreform der Europäischen Union schreibt vor, dass ab diesem Jahr die Beantragung von Ausgleichszahlungen anhand von Luft- oder Satellitenbildern erfolgen muss. Somit sind die Größenangaben aus dem Liegenschaftskataster hinfällig.„Glücklicherweise passt bei uns alles“, sagt der Friesoyther Thomas König. Der Landwirt besitzt 60 Hektar Ackerfläche. Oder ist an elf „Feldblöcken“, wie es nun im neuen Fachausdruck heißt, beteiligt. Ein Feldblock, das ist ein auf dem Flugbild markiertes und durch natürliche Grenzen abgezeichnetes Gebiet. Es kann mehrere Ackerflächen von verschiedenen Landwirten enthalten.
Und genau da fängt das Problem an. „Die Größenangaben vom Katasteramt stimmen mit der Realität oft nicht mehr überein“, sagt König. Durch Böschungen, Gräben oder Ungenauigkeiten bei der Bewirtschaftung seien Abweichungen zur offiziellen Feldgrenze entstanden.
Werden die Angaben der einzelnen Landwirte dann addiert, stimmt die errechnete Summe nicht mit den ermittelten Angaben auf den Luftbildern überein. Wird zu wenig Fläche angegeben, haben die Landwirte Verluste bei der Ausgleichszahlung von der Europäischen Union. Bei zu viel Fläche, ist der Feldblock „überlaufen“. Dann müssen sich die Bauern untereinander einigen. Einige engagieren einen Landvermesser. Andere fahren mit GPS, einem globales Positionierungssystem, über den Acker und messen selbst. „Bei keiner Einigung kümmert sich die Landwirtschaftskammer darum. Das müssen die Bauern aber selbst bezahlen“, so König weiter.
Reichlich Erfahrung mit dem Antragssystem konnte auch schon Ansgar Tebben vom Beratungsring in Friesoythe sammeln. Von Ende März bis zum 15. Mai hatten die Ringberater Zeit mehrere hundert Anträge für die Landwirte auszufüllen.
„Das war schon reichlich knapp. Teilweise war ich von morgens acht bis abends elf beschäftigt“, erzählt Tebben. Der Aufwand hat sich aber gelohnt. „Einzelne Kartendaten sind jetzt leichter zuzuordnen“, meint er. Auf der anderen Seite hätten technische Probleme die Arbeit erschwert. Und auch der Verwaltungsaufwand für die Landwirte sei gestiegen. Das kritisiert auch der Friesoyther Landwirt.
„Zusammen mit der Buchhaltung bin ich täglich eine halbe Stunde nur mit Verwaltungsaufgaben beschäftigt“, sagt König. Dazu zählt aber nicht nur der mehrere Seiten umfassende Antrag. Auch bei der Beantragung von Dieselzuschüssen hat sich der Verwaltungsaufwand vergrößert. „Damals waren es ein bis zwei Seiten. Heute umfasst der Antrag vier bis fünf“, sagt der 33-Jährige. Eine Düngebilanz gehört genauso dazu wie die Dokumentation der Medikamentenvergabe. König: „Einiges ist sicherlich sinnvoll. Aber wenn ich mein Feld mit Gülle überdüngen würde, hätte ich genauso wenig davon.“
