FRIESOYTHE - Das verheerende Erdbeben in Japan hat auch die lokale Diskussion um die Atomkraftwerke entfacht. Nur 66 Kilometer vom Nordkreis entfernt steht das nächste Werk in Lingen (Kreis Emsland).
Der Nordkreis Cloppenburg befindet sich damit in der so genannten „Fernzone“ des Kraftwerks, also in einem Radius von 25 bis 100 Kilometern um den Atommeiler, so Kreissprecher Ansgar Meyer. Für den Fall eines atomaren Störfalls im Kernkraftwerk Lingen hat der Landkreis vorgesorgt. „Die Maßnahmen sind von den Katastrophenschutzbehörden in der Umgebung von kerntechnischen Anlagen festgelegt“, erklärte Meyer weiter.
Katastrophenschutz
Der aktuelle Katastrophenschutzplan, den grundsätzlich jeder Landkreis zu erstellen habe, sehe für den Kreis Cloppenburg konkrete Evakuierungspläne vor, die jedoch für „alle möglichen Katastrophen-Szenarien“ dienten. Sie seien nicht speziell wegen der Nähe zum Atomkraftwerk im emsländischen Lingen erstellt worden. Spezielle Evakuierungspläne für atomare Störfälle seien in dieser „Fernzone“ nicht vorgesehen. Im Ernstfall würden – nach Maßnahmenplan – an die Bewohner des Landkreises Jodtabletten verteilt. Die Einnahme der Jodtabletten dient der Vorbeugung von Strahlenschäden. Der Landkreis verfüge über einen entsprechenden Vorrat dieses Medikaments. Die Jodtabletten würden dann über die Freiwilligen Feuerwehren an die Kommunen verteilt und von dort an die Bürger ausgegeben.
Kein Bedarf für Haushalte
Für private Haushalte besteht jedoch keinerlei Bedarf zu Vorratskäufen. Der Friesoyther Radiologe Dr. Nicolas Baron erklärt: „Wir in Deutschland haben ja keine Strahlenbelastung. Hier sind keinerlei medizinische Vorsichtsmaßnahmen zu treffen, Jodtabletten sind Blödsinn.“ Die Inhaberin der Friesoyther Moor-Apotheke, Angelika Meyer, teilt seine Ansicht: „Jodtabletten können in Japan helfen, in Deutschland sind sie bisher auf gar keinen Fall notwendig.“
Trotzdem verzeichnete sie in den letzten Tagen eine verstärkte Nachfrage nach den Jodtabletten. In diesen Fällen seien die Mitarbeiter dazu angewiesen, bei den Kunden nachzufragen, ob die Tabletten regelmäßig eingenommen werden oder aus Sicherheitsmaßnahme wegen des Atomunglücks in Japan gekauft werden, so Meyer. „Falls letzteres zutrifft, klären wir die Kunden darüber auf, dass die Tabletten nicht notwendig sind.“ Zudem seien die gängigen Jodpräparate viel zu gering dosiert, um radioaktiver Strahlung vorzubeugen.
Ewald Tellmann, Inhaber der Friesoyther Hansa-Apotheke, schildert: „In normalen Jodpräparaten stecken nur Makrogramm. Um der Aufnahme von radioaktivem Jod vorzubeugen, ist eine wesentlich höhere Konzentration notwendig: In diesen Präparaten steckt die 1000-fache Dosis Jod.“
Tabletten mit so hohen Dosen gehören nicht zum normalen Apothekenbestand, so Apothekeninhaberin Meyer. Doch nicht nur örtliche Apotheken spüren durch die erhöhte Nachfrage die indirekten Auswirkungen des Atomunglücks, auch lokale Unternehmen haben teilweise geschäftliche Beziehungen zu Japan und sind somit von den Folgen betroffen.
Der Friesoyther Betrieb Vet Pharma kalkuliert verlängerte Lieferzeiten von japanischen Händlern mit ein. Das Friesoyther Pharmaunternehmen importiert japanische Waren wie Gummistopfen und einige Rohstoffe. Zugleich exportiert der Betrieb seine fertigen Produkte nach Japan.
