FRIESOYTHE - Nicht nur Kinder nehmen die Dienste der Künstlerin in Anspruch. Auch viele Erwachsene lassen sich von ihr anleiten.

Von Thomas Haselier

FRIESOYTHE - Wenn Natalia Schneider sich mit einer ihrer Schülerinnen befasst, ihr zeigt, wie man Bleistift oder Pinsel richtig schwingt und wo man wie welche Farbe am besten benutzt, dann sieht man, dass sich die Kunsterzieherin wohlfühlt. Natalia Schneider ist dann in ihrem Element. Die gebürtige Russin führt seit gut einem Jahr die Kunstschule Schewe in Friesoythe.

Malen, das sei ihr Leben, sagt die 43-Jährige. Ob Öl- Aquarell- oder Acrylmalerei, wo Natalia Schneider ist, da sind Pinsel und Farben nicht weit. Wobei das durchaus zu kurz gefasst ist. Denn feine Zeichnungen gehören ebenso zu ihrem Repertoire wie andere Techniken künstlerischer Gestaltung.

In der Kunstschule Schewe kann sie ihre Profession voll ausleben. Es macht ihr ebenso große Freude, mit Kindern zu arbeiten wie mit Jugendlichen oder Erwachsenen. „Das ist ganz unterschiedlich: Wenn ich sehr kleine Kinder bei mir habe, dann geht es vor allem darum, ihnen Ästhetik nahe zu bringen, ihre motorischen und gestalterischen Fähigkeiten herauszubilden.“ Dass das Sinn macht, haben inzwischen viele Eltern erkannt, die ihre Kinder in die Kunstschule schicken. Denn wer bei ihr das Malen und Zeichnen gelernt hat, geht mit einigem Vorsprung in die Schule, in der es besonders in den ersten Jahren auch auf eine geschulte Hand und ein geschultes Auge ankommt. Kinder, die oft malen und zeichnen, lernen auch das Schreiben sehr viel leichter. Und oft ist ihre Auffassungsgabe besser. Acht Gruppen mit insgesamt 68 Kindern, darunter auch sehr viele Jugendliche, unterrichtet die Kunsterzieherin derzeit. Aber es könnten durchaus noch mehr werden, „da gibt es noch Spielraum“.

Natalia Schneider stammt aus dem sibirischen Omsk und kam 1992 mit ihrem deutschstämmigen Mann nach Deutschland. Von 1998 an arbeitete sie in der von Albert Schewe gegründeten Kunstschule, die sie im vergangenen Jahr von ihm übernahm. Sie ist Mutter von drei Kindern, was ja eigentlich schon ein Fulltimejob ist. Doch das Malen hat die 43-Jährige auch zwischendurch niemals aufgegeben. Dass man auch im tiefsten Sibirien einen Sinn für die schönen Künste haben kann, findet sie völlig normal. Schon immer liebte sie das Gestalten und machte es schließlich zu ihrem Beruf. Das Malen verband sie mit den Fächern Psychologie und Pädagogik, was ihr in ihrem Beruf in Friesoythe von großem Nutzen ist. „Das hilft auch bei der künstlerischen Ausbildung von Jugendlichen und Erwachsenen“, weiß sie ihre pädagogischen Kenntnisse gut einzusetzen.


Auch die Arbeit mit älteren Schülern schätzt sie sehr. „Da kommen dann Persönlichkeit und Ausdruck noch stärker zum Tragen.“ Doch richtig Malen oder Zeichnen kann nur der, der die Grundlagen dafür gelernt und verinnerlicht hat. Farblehre, Farbkontraste, Farbmischung, aber auch Farbenpsychologie sollten schon verstanden werden, will man mit Erfolg künstlerisch arbeiten.

Auf besondere Stilrichtungen will sich die Kunsterzieherin nicht festlegen lassen. „Ich mache mit meinen Schülerinnen und Schülern alles: von der klassischen bis zur experimentellen Malerei“, sagt sie. Bei ihren Schülern kommt das an. Auch immer mehr Erwachsene wollen sich bei ihrem Hobby fachliche Anleitungen geben lassen und buchen deshalb Abendkurse in der Kunstschule.

Wenn Natalia Schneider mal nicht unterrichtet, dann malt und zeichnet sie für sich. Oft sind es Auftragsarbeiten von Privatleuten oder auch Firmen, die sich ihre Dienste sichern. Doch manchmal – ganz selten – schafft sie es sogar, ihre eigenen Ideen und Wünsche künstlerisch umzusetzen. Und das sind dann immer die Momente, in denen die Künstlerin regeneriert. „Malen, das ist nicht nur ein schöner Beruf, sondern das ist Lust und Leidenschaft. Ohne das Malen könnte ich nicht leben.“