FRIESOYTHE - Der Tag fängt für Andreas Schmies um 6.30 Uhr an, auch am Wochenende. Denn 650 Sauen und ihre Ferkel warten auf das Frühstück. Schmies muss die Arbeit allerdings nicht alleine erledigen, die beiden Auszubildenden Nils und Mike helfen ihm, die Tiere zu versorgen.

Bevor der Landwirt die Stallanlage betritt, duscht er und wechselt die Kleidung. „Je größer die Bestände sind, desto wichtiger ist es, dass keine Keime von außen reinkommen“, erklärt er den Sinn dieser Routinemaßnahme. Schmies schaltet das Licht in einem der Ställe an und pfeift leise. So wissen die Tiere, dass er kommt und erschrecken sich nicht so. „Schweine können sehr gut riechen und hören, sehen aber weniger gut.“ Die kleinen Ferkel – die meisten rosa, manche mit schwarzen Flecken – flüchten unsicher in die hintere Ecke der Box. Bald jedoch überwiegt ihre Neugier, sie nähern sich langsam den Besuchern. Währenddessen bleiben die mächtigen, etwa 180 Kilogramm schweren und fast zwei Meter großen Sauen ungerührt liegen. Die Muttertiere müssen gefüttert, die kleinen Ferkel versorgt werden.

Etwa 115 Tage sind die Sauen trächtig, alle vierzehn Tage bekommt eine Gruppe Sauen Nachwuchs und wird in einen anderen Stall verlegt. Bei der Geburt, beim sogenannten „Abferkeln“, kommen die Sauen meist ohne Hilfe aus, sie werfen meist um die zwölf Ferkel. Um da noch den Überblick zu behalten, werden alle Daten wie Geburtstermin oder Ferkelzahl im Computer festgehalten.

Innerhalb von zehn Wochen wachsen die neugeborenen Ferkel von sechseinhalb auf 30 Kilogramm an. „Dann kommen sie in die Mast. Den Großteil unserer Ferkel verkaufen wir, einen Teil mästen wir aber auch selber“, erzählt Schmies. Den Hof hat der 47-Jährige 1985 von seinen Eltern übernommen. „Landwirt ist mein Traumberuf. Man ist in der Natur, hat mit Tieren zu tun. Das ist schon was Schönes.“ 1993 hat Schmies die Rindviehhaltung aufgegeben und ist ganz umgestiegen auf die Schweinezucht. „Wenn man mehrgleisig arbeitet, kann man sich nicht um alles 100-prozentig kümmern“, sagt der Landwirt. Außerdem musste er sehen, dass das Einkommen für zwei Familien reicht – seine Eltern leben mit auf dem Hof.

Doch im Moment sei es schwer, Geld mit der Aufzucht zu verdienen – darum habe er auch zusätzlich mit der Mast angefangen. „Zurzeit findet ein Verdrängungswettbewerb statt: Es sind zu viele Ferkel auf dem europäischen Markt, das Angebot ist zu groß. Gleichzeitig haben sich die Futterpreise verdoppelt. Viele Betriebe werden daher aufgeben, die Struktur ist hier noch recht kleinteilig“, sagt der Landwirt.


Nachmittags stehen Haus- und Hofarbeiten an, um 17 Uhr werden die Sauen dann noch einmal gefüttert – inzwischen geht das per Hebeldruck. Die Arbeit sei effektiver geworden, einfacher. Schmies erinnert sich noch, wie er als Junge seinen Eltern geholfen hat, die Ställe auszumisten und die Tiere zu füttern. Seine vier Töchter dagegen hätten nun schon mit dem Gymnasium genug zu tun und durch den hohen Gesundheitsstatus könne man auch nicht mal schnell in den Stall laufen.

18 Uhr: Feierabend für den Landwirt und seine Auszubildenden. Sauen und Ferkel sind versorgt. Jetzt ist Zeit für die Familie. Auch wenn Schmies später noch einmal bei seinen Tieren vorbeischaut, ob auch alles in Ordnung ist.