FRIESOYTHE - An der Ellerbrocker Straße – unmittelbar vor den Toren der Stadt Friesoythe – planen Landwirte den Bau einer gigantischen Mastanlage für 160 000 Hähnchen. Dazu sollen vier Ställe von jeweils rund 110 Metern Länge errichtet werden.
Beim Bauamt der Kreisverwaltung in Cloppenburg liegen zudem 17 Anträge für den Bau weiterer Hähnchenmastställe in Friesoythe mit zusammen 734 000 Tierplätzen vor. Der größte Teil dieser Mastanlagen soll in Gehlenberg und Neuvrees realisiert werden, wo es die größte Hähnchenmastdichte Deutschlands gibt. Kreisweit bearbeitet die Behörde nach eigenen Angaben 31 Anträge für Ställe mit 1,267 Millionen Hähnchen. Alle Anträge stammen aus diesem Jahr.
Für den Bau der Mastanlage an der Ellerbrocker Straße hat die Firma „OP Agria GmbH & Co KG“ aus Ellerbrock einen Vorbescheid nach dem Bundesimmissionsschutzgesetz beantragt. Hinter dem Unternehmen verbergen sich nach Angaben der Friesoyther Stadtverwaltung die Landwirte Josef Ortmann aus Ellerbrock und Gerd Peek aus Grönheim.
Gegen das Vorhaben formiert sich bereits Widerstand. Besonders betroffen von der Mastanlage ist der von der Familie von Garrel betriebene „Friesoyther Frischehof“. Das geplante Bauvorhaben grenzt unmittelbar an die Gemüse- und Beerenkulturen des Hofes und ist nur 600 Meter vom Hofgebäude entfernt. Wirkungsvolle Abluftreinigungsanlagen für Hähnchenmastställe gibt es nicht, sagt Ansgar Meyer. Seniorchef Heino von Garrel: „Da unser Betrieb genau in der Hauptwindrichtung liegt, würden Keime, Stäube und Gestank in die Luft gepustet. Diese Dauerbelastung bedeutet eine erhebliche Belastung für unseren Betrieb.“ Auf dem Hof leben drei Generationen. Heino von Garrel: „Auch die jüngste Generation muss hier eine Zukunft haben.“
Der Hof der Familie war 1979 aus stadtnaher Lage ausgesiedelt worden. Vor 14 Jahren stellte die Familie von Garrel von der Viehhaltung auf den Anbau von Gemüse und Sonderkulturen wie Spargel und Beeren um. In der viermonatigen Sommersaion ist der Hof beliebte Anlaufstelle für viele Selbstpflücker.
Heino von Garrel will den Bau der Hähnchenmastanlage in seiner direkten Nachbarschaft „auf jeden Fall verhindern“ und prüft juristische Schritte gegen das Vorhaben. Von Garrel: „Das ist doch keine Landwirtschaft mehr, sondern eine industrielle Anlage. Die gehört in ein Industriegebiet, zum Beispiel am C-Port.“
Nach Angaben von Kreissprecher Ansgar Meyer prüft der Kreis, ob der Bau der vier Mastställe an der Ellerbrocker Straße genehmigungsfähig ist. Allerdings fehlten noch Unterlagen wie eine Umweltverträglichkeitsstudie und ein Immissionsgutachten.
Knackpunkt ist die Erschließung des Bauvorhabens. Sie ist lediglich über einen Genossenschaftsweg möglich, da eine Zufahrt von der Ellerbrocker Straße nicht erlaubt wird. Kreissprecher Meyer: „In jedem Fall wäre eine Zustimmungserklärung der Wegegenossenschaft erforderlich. Die Zustimmung müsste wohl erteilt werden, wenn der Bauantragsteller die Kosten für den Ausbau des Genossenschaftsweges übernimmt und auch die Unterhaltungskosten trägt.“
