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Preise leicht gestiegen Friesoyther Schweinehalter blicken skeptisch in Zukunft

Hermann Gerdes

Friesoythe - „Der Anstieg ist viel zu gering!“ Matthias Fredeweß, 34-jähriger Schweinemäster aus Friesoythe, ist nicht zufrieden. Zwei Cent pro Kilogramm gibt es jetzt mehr bei der aktuellen Notierung (von 1,19 auf 1,21 Euro). Das sind zwei Euro pro Schwein. „Dabei suchen die Viehhändler doch händeringend nach Schweinen“, so Fredeweß.

Seit Herbst erstes Plus

Aber die Mienen der Schweinemäster hellten sich jetzt wenigstens etwas auf. Erstmals nach einem Jahr gab es für Schlachtschweine ein Plus. Wie festgefroren wirkte der Preis seit dem Herbst 2020. Mit Beginn der Fastenzeit könnte die Notierung erstmals sogar wieder deutlicher nach oben gehen. Daran glaubt Fredeweß jedoch noch nicht: „Ich vermute, dass die fleischverarbeitende Industrie weiter billig ihre Lager füllen wird und der notwendige Anstieg noch nicht passieren wird.“

„Aber aktuell wachsen weniger Tiere nach als geschlachtet werden. Es ist eine enge Versorgungslage am Lebendmarkt zu erwarten“, meint Geschäftsführer Bernd Terhalle von der Erzeugergemeinschaft in Lorup, die auch die jährlich rund 10 000 von der Familie Fredeweß gemästeten Schweine vermarktet.

In der Fastenzeit 2020 waren noch 2,02 Euro/kg gezahlt worden. Dann sorgte die Corona-Pandemie für den ersten Preisverfall. Viele Schlachthöfe mussten wegen infizierter Mitarbeiter die Produktion reduzieren, manches Mal sogar ganz einstellen. Für den nächsten Preisschock sorgte vor fünf Monaten das nächste Virus, die Afrikanische Schweinepest (ASP). Zuvor hatte sie dafür gesorgt, dass die Preise in die Höhe schossen. In China raffte die ASP die Bestände dahin. Das Land zahlte daraufhin hohe Preise – mehr als doppelt so viel wie hier – und nahm auch noch die hier als Abfallprodukte behandelten Nebenprodukte wie Ohren, Schwanz, Backen und Schnauze. Dann aber nahmen die Chinesen nichts mehr. In Brandenburg wurde ein totes mit ASP infiziertes Wildschwein gefunden.

Für das laufende Jahr wird von einem deutlichen Schrumpfen des deutschen Schlachtschweinemarktes ausgegangen. In den vergangenen Wochen wurden viele Sauen geschlachtet. Zudem fiel besonders stark der Rückgang der Zuchtsauenhalter mit 5,6 Prozent aus. Nur noch in 6800 Betrieben werden Ferkel erzeugt. Vor zehn Jahren gab es noch rund 15 600 Sauenhalter. Ferner werden weniger Ferkel aus Dänemark und den Niederlanden importiert.


Betriebe aufgegeben

Thomas König, 49-jähriger Landwirtschaftsmeister aus Friesoythe, mästet Schweine, hält aber nach wie vor 460 Sauen. Aber 22 Euro für die Ferkel waren weit unter der Wirtschaftlichkeit. „Wir warten sehnsüchtig auf höhere Preise“, sagt er. Die Krise habe viele Betriebe dazu gezwungen, aufzugeben. Auch deshalb seien jetzt höhere Preise zu erwarten. „Von einer Überproduktion kann keine Rede mehr sein.“

Der Politik geben beide Landwirte keine guten Noten. „Mit ihrem aktuellen Weg gefährdet die Politik unsere Nahrungsmittelversorgung extrem“, meint Fredeweß. Und König ergänzt: „Man fragt sich schon, wie viel vom Preis ist Markt und welchen Anteil hat die Politik.“

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