FRIESOYTHE - Als Theo mir am Straßenrand in Markhausen zum ersten Mal den Freischneider in die Hand drückt. So schwer hatte ich ihn mir nicht vorgestellt. Er zieht den Anlasser und der Motor beginnt zu rattern. Ich klappe das Visier des orangefarbenen Schutzhelms herunter und los kann’s geh’n. Ich drücke einen orangenen Knopf, damit an der Spitze des Handrasenmähers der rote Plastik-Draht zu rotieren beginnt. Doch nichts bewegt sich, selbst das Rattern des Motors erstirbt. Ich habe natürlich den Aus-Knopf erwischt.
Doch Theodor Gebken, der schon seit fast 30 Jahren Arbeiten als Gärtner beim Friesoyther Bauhof übernimmt, bringt den Freischneider schnell wieder zum Laufen. Etwas unsicher beginne ich das Gerät vor meinem Bauch hin und her zu bewegen. Blamieren will ich mich aber nicht und mache mich mit viel Elan daran, die Grasbüschel zu stutzen, die der Rasenmäher um einen Baum und ein paar Leitpfähle stehen gelassen hat. Das Grünzeug fliegt mir um die Ohren und irgendwann auch etwas Erde, bis Theo in seiner angenehm ruhigen Art zum Schutz des Rasens einschreitet und meinen Eifer bremst.
Neben dem Rasenmähen auf den öffentlichen Flächen der Stadt Friesoythe und den umliegenden Ortschaften gehört es zu den Aufgaben des 56-Jährigen, den Wildwuchs der Hecken einzudämmen und die Beete zu pflegen. Außerdem rückt er regelmäßig mit einer Gasflamme dem Unkraut auf den Bürgersteigen zu Leibe. „Besonders vor Festen muss alles picobello sein“, sagt Theo.
Am anderen Ende von Markhausen treffen wir Valära Grebenyuk, einen der Ein-Euro-Jobber, die für den Bauhof arbeiten. Er mäht gerade das letzte Stück an einer Leitplanke. Die nicht ungefährliche Feinarbeit mit dem Freischneider übernimmt Theo diesmal lieber selbst, denn die kann er nur von der befahrenen Straße aus machen.
Ortswechsel: Während in sängender Hitze zwei Mitarbeiter mit schwerem Gerät den Eingang zur Hauptschule in Altenoythe behindertengerecht umbauen, betrete ich den staubbedeckten Boden des Foyers der benachbarten Grundschule, wo es angenehm kühl ist. Hier verlegt der 52-jährige Hans Langen in den Toiletten gerade etwa 40 Quadratmeter neue Fliesen. Die Wände sind schon fast fertig, sie müssen nur noch verfugt werden.
Nachdem Hans mir gezeigt hat, wie ich die silbergraue Masse verteilen muss, kniee ich mich auf ein braunes Kissen, schnappe ich mir ein Fugenbrett und mache mich ans Werk. Schon nach kurzer Zeit spüre ich die Belastung in den Armen. Die Zwischenräume füllen sich nur langsam, dafür habe ich jedoch die halbe Wand beschmiert. Doch ehe die Fugenmasse hart werden kann, ist Hans schon mit einem Schwamm darüber gegangen und die weißen Fliesen kommen wieder zum Vorschein.
Mit der Zeit drängt sich mir die Vermutung auf, dass mich diese Arbeiten auf Dauer kräftemäßig überfordern, dennoch will ich es noch einmal wissen und lasse mir die große Flex-Säge erklären. Das Sägeblatt beginnt zu rotieren. Funken sprühen und eine Staubwolke umhüllt mich, als ich vergeblich versuche, einen Pflasterstein in die richtige Form zu bringen. In diesem Moment wird die Ahnung zur Gewissheit: Wer mit so schweren Geräten täglich umgehen muss, braucht wirklich Muckies. Respekt!
