FRIESOYTHE - So stressig hatte ich mir das nicht vorgestellt. Völlig aus der Puste gehe ich mit einer Packung Raketen und einem Fontänen-Sortiment zurück in die Redaktion. „Es hat Spaß gemacht mit Ihnen“, sagte mir Marianna Meyer, Marktleiterin von Zimmermann in Friesoythe, zum Abschied. „Mir hat es auch gefallen“, entgegnete ich. Das war nicht gelogen. Nett war es wirklich, die Kollegen und Kunden waren freundlich, eine gute Stimmung herrschte. Aber vor allem war es anstrengend. Ich weiß jetzt, was Feuerwerks-Verkäufer an diesen Tagen durchmachen.

Fühle mich vorbereitet

Rückblende: Am Abend vor meinem Einsatz als Feuerwerks-Verkäufer bei Zimmermann telefoniere ich mit Marianna Meyer: „Das wird ein stressiger Tag morgen, aber wir sind vorbereitet“, sagt sie. Am nächsten Morgen bin auch ich vorbereitet. So schlimm wird es schon nicht werden, denke ich. Als ich im Laden auftauche begrüßt mich Marianne Meyer und führt mich an meinen Arbeitsplatz. In dem Verkaufsraum im hinteren Teil des Marktes steht eine Theke, dahinter wuseln mehrere Menschen hin und her. Davor stehen weit mehr. Langsam wird mir etwas mulmig. Ich frage mich, ob ich es mir gut überlegt habe, im Verkauf zu arbeiten. Eine ganz neue Erfahrung für mich.

Die Marktleiterin übergibt mich an Tatjana Schütz, die routiniert hinter der Theke die Böller rauskramt und an die Kunden verteilt. Ich fühle mich fehl am Platze. Scheine mehr im Weg zu stehen, als wirklich zu helfen. Die Kunden verlangen Böller, Super-Böller, Raketen. Ich versuche mir einen Überblick zu verschaffen. Orientiere mich aber zumeist noch an den Preisen. Zwei oder drei Mal stolpere ich fast über die Kisten, die in unserem Thekenbereich aufgestellt sind, mit Knallern drin.

Hinter uns geht eine Tür auf, Kisten werden hingestellt. Das ist meine Chance, ich schnappe mir eine Kiste, reiße sie auf. Doch wo gehören diese Knaller jetzt wieder hin? Tatjana Schütz hilft mir, die China-Böller-D im richtigen Fach zu verstauen. Das wäre geschafft.


Kunden bedienen

Jetzt versuche ich mich wieder daran, die Kunden zu bedienen. So langsam entwickele ich Routine, versuche sogar einige bei ihrem Kauf zu beraten. Schnell habe ich die Artikel, die gekauft werden sollen, zusammen und übergebe sie. Schnell finde ich mich, meine Kollegen Tatjana Schütz, Jennifer Meyer, Roxana Dorr und Jakov Esse haben ein ganz anderes Tempo zu bieten. Hier die richtigen Raketen, da die Böller, kein Problem. „Seit 2002 mache ich den Verkauf jedes Jahr, man entwickelt Routine“, erzählt Tatjana Schütz. Jennifer Meyer ist seit zwei Jahren dabei, Jakov wie ich zum ersten Mal. Doch er kennt sich in dem Metier besser aus als ich, kann fast jeden Artikel benennen.

Die Füße streiken

Nach gut zwei Stunden fangen meine Füße an weh zu tun, das viele Gelaufe bin ich aus der Redaktion nicht gewohnt. Dann ein kleiner Gau: Die Lady-Cracker, kleine Böller, sind leer. „Der LKW kommt in einer Viertelstunde“, sagt Tatjana Schütz. Ich versuche den wartenden Kunden derweil anderes Silvester-Zubehör anzupreisen. Viele gehen dann doch zufrieden Richtung Kasse. „Ich habe alles bekommen“, sagt Johannes Hilgenfort (25). Er ist extra aus Werlte nach Friesoythe gekommen: „Diese Raketen gibt es nur hier.“ Während er bezahlt, kommt Marianne Meyer zu mir. Wir unterhalten uns noch kurz und dann darf ich Feierabend machen. Eine Packung Raketen und ein Fontänen-Sortiment schnappe ich mir noch und dann geht es zurück zur Redaktion.