FRIESOYTHE - Wenn Frieda Meyer aus Pehmertange auf ihre Erlebnisse vor 60 Jahren, auf die Gründung der Bundesrepublik Deutschland und auf den Wiederaufbau eines völlig zerstörten Landes angesprochen wird, wirkt die heute 83 jährige Dame ganz nachdenklich. Die Geschichte, die sie erzählen kann, fängt nämlich viel früher an als 1949 und zwar am 15. April 1945.
An diesem Tag, an dem Friesoythe in Schutt und Asche gelegt wurde, machte die Kriegswalze auch vor dem Bauernhof ihrer Eltern nicht halt. Deutsche Soldaten hatten sich in der Nähe des Gehöftes in Vordersten Thüle verschanzt und vorbeiziehende kanadische Truppen beschossen. Durch das Feuergefecht wurden das Haus und der Stall in Brand geschossen. Acht Kühe und drei Pferde kamen in den Flammen um.
„Glücklicherweise hat niemand von uns sein Leben verloren, aber wir standen vor dem Nichts. Viele Nächte mussten meine Eltern, meine fünf Geschwister und ich in einer Scheune im Stroh schlafen. Bernd, mein ältester Bruder, war damals an der Ostfront“, erinnert sich Frieda Meyer noch gut. „Nachdem wir den Schock überwunden hatten, ging es ans Aufräumen und Aufbauen. Der Schutt musste weg, Steine und Zement wurden mit Speck oder Kartoffeln bezahlt.“
Im August 1945 konnte Familie Meyer ihr Glück kaum fassen. Bernd Meyer kehrte drei Monate nach Kriegsende aus russischer Gefangenschaft zurück. „Bernd erzählte immer, dass er es nur einer jungen Militärärztin zu verdanken gehabt hätte, als einer der ersten nach Hause geschickt worden zu sein“, so Frieda Meyer, die sich – als wäre es gestern gewesen – an den ersten Satz ihres Bruders bei seiner Rückkehr erinnert: „Ich bin jetzt da und wir werden es wieder schaffen.“
Frieda Meyer weiß, dass ihr Wiederaufbau nicht anders aussah, als der hunderter Friesoyther und hunderttausender Menschen im Land. „Aus nichts oder ganz wenig eine neue Existenz zu schaffen, war viel harte Arbeit. So kultivierten wir 30 Hektar Heide und bauten langsam aber stetig unseren Viehbestand wieder auf.“ Für den Anfang wurden eine Kuh und ein Kalb geliehen, ein Pferd holte der Vater von seinem Bruder aus Damme. „Mit dem Fahrrad fuhr mein Vater früh morgens los und in der Nacht wurden wir von dem Hufgeklapper wach. Eine Riesenfreude – endlich ging die Feldarbeit etwas einfacher vonstatten.“ 1959 verließ die Familie ihre „Siedlerstelle“ in Vordersten Thüle und baute in Pehmertange einen neuen Betrieb auf. Frieda Meyer ist bei ihrem Bruder und seiner Familie geblieben und hat die Entwicklung des landwirtschaftlichen Betriebes hautnah miterlebt. Seit vielen Jahren wird der Hof von ihrem Neffen geleitet.
Die Hände in den Schoß zu legen kommt für sie aber trotzdem nicht in Frage. Ein bisschen Gemüsegarten, ein bisschen Haus- und Hofarbeit und vor allen Dingen viel Zeit mit Julian und Simon, den beiden Jüngsten aus dem Hause Meyer, zu verbringen, ist ihr wichtig. „Ich danke Gott für mein Leben und wünsche mir noch ein paar Jahre dazu“, sagt die rüstige Rentnerin und fügt schnell hinzu „und nie wieder Krieg“.
