FRIESOYTHE - Bernhard Möller, KfZ-Sachverständiger der bei der Dekra in Cloppenburg, kommt aus dem Staunen nicht heraus. Fünf Autos hat er an diesen Vormittag schon inspiziert. „Aber das ist heute das erste, dass keine größeren Mängel aufweist“, sagt er nach abschließender Sicherheitsuntersuchung am silberfarbigen Renault. Fahrzeughalter Sundke de Vries atmet spürbar auf. Nur um einen neuen Auspuff wird der 22-jährige Schüler nicht herumkommen.
Urteil: niederschmetternd
Ein sogenannter Safety Check ist angesagt in der Werkstatt der Berufsbildenden Schulen in Friesoythe (BBS). Schüler und Auszubildende nutzten am Dienstag die Gelegenheit, ihren fahrbaren Untersatz kostenlos auf eventuelle Mängel hin untersuchen zu lassen. „Das Ergebnis ist schlichtweg niederschmetternd“, lautet das Gesamturteil des Fachmanns. Wie eine Schreckensliste liest sich der anonym gehaltene Prüfbogen eines VW-Golf-Fahrers. Reifen: abgefahren. Karosserie: durchgerostet. Defektes Gummilager an der Hinterachse und als Krönung die Beleuchtung: „Teilweise ohne Funktion“, hat Bernhard Möller penibel auf dem Bericht festgehalten. „Der Sicherheits-Check ist ein freiwilliges Angebot. Das heißt, ich kratz heute niemandem die TÜV-Plakette ab, aber zwei Schülern habe ich durchaus empfohlen, ihre Autos sofort aus dem Verkehr zu ziehen.“ Materialverschleiß und mangelnde Wartung – mit diesen beiden Komponenten hat es der Sachverständige meistens zu tun. Das Schlimmste, was er je zu sehen bekommen hat? „Das war ein völlig durchgerostetes Fahrzeug, das der Halter mit zusammengeschweißten Trägern stabilisieren wollte.“
Zahn der Zeit hat genagt
Als nächste an der Reihe: Carolin Westerkamp. Die 18-Jährige ist erst seit wenigen Wochen Besitzerin eines grünen Corsa. Dass der Zahn der Zeit am Fahrzeug genagt hat, weiß sie wohl: „Ich brauche neue Bremsbeläge.“ Dann die Überraschung: „Die Belege sind in Ordnung“, sagt der Fachmann. „Dafür weisen Reifen und Bremsen erhebliche Mängel auf.“ Der Schock sitzt tief bei der 18-Jährigen. Damit hatte sie nicht gerechnet. Ihre gute Laune hat sie aber schon kurz danach wiedergefunden: „Ich bin froh, hergekommen zu sein. Lieber jetzt, bevor es zu spät ist.“
