FRIESOYTHE - Eine Urkunde aus dem Jahr 1599 dokumentiert, dass damals die Schmiedegilde in Friesoythe schon existierte. Wie lange genau die Schmiedezunft schon rege Geschäfte in Friesoythe trieb, konnte Ferdinand Cloppenburg, Vorsitzender des Heimatvereins Friesoythe und Ehrenbürger der Stadt, am Dienstagabend beim Schmiedegildetag 2010 nicht erklären: „Eine Jahreszahl ist nicht belegt, es gab aber schon vor 1599 einige Namen von Schmieden in der Stadt, die später wieder auftauchten.“

Drei Vorträge gehörten am Dienstagabend im Rathaus am Stadtpark zum Programm für den Schmiedegildetag 2010. Ferdinand Cloppenburg machte den Anfang und referierte über die Wurzeln der Eisen- und Schmiedegeschichte.

Bürgermeister Johann Wimberg war der zweite Referent. Er schwor darauf ein, Friesoythe unter dem Namen Eisenstadt Friesoythe ein klares Profil zu geben und dieses als Alleinstellungsmerkmal zu nutzen: „Wir haben das große Glück, aus der eigenen Geschichte heraus ein Profil entwickeln zu können.“ Davon könne Friesoythe in der Zukunft profitieren, auch weil es in der Region keine weitere Stadt gebe, die sich Eisenstadt nennen könne. In den vergangenen Jahren habe sich zu dem Thema schon eine Menge getan, es gebe viele Spuren, die auf die Zunft hinweisen. „Wir bleiben immer Eisenstadt, weil das Eisen im Boden sitzt“, so Wimberg weiter. Deshalb komme auch der Name Schmiedestadt nicht in Frage. Das Eisen sei der wahre Ursprung. Und es gehe darum, ein authentisches Profil zu schaffen: „Jene, die hier Einzelhandel betreiben, sollten sich des Themas bedienen. Wir wollen nichts Vergangenes nachstellen, sondern das Thema zeitgenössisch und modern erfahrbar machen.“

Und wie das in der Zukunft aussehen könnte, war Inhalt des Vortrags von Stadtschmied Alfred Bullermann: „Man muss interessant sein und auf sich aufmerksam machen.“ Die Menschen müssten sich mit der Eisenstadt identifizieren, möglichst viele Bürger sollten mitmachen. Bullermann stellt sich vor, dass Friesoythe im Nordkreis beispielsweise mit seinen Berufsbildenden Schulen das Zentrum der Ausbildung in den metallverarbeitenden Berufen werden könnte. Er wünscht sich eiserne Bauteile im öffentlichen Raum – entworfen von Schülern oder Studenten.

Besucher der Stadt müssten überrascht werden, damit sie wiederkommen. Alfred Bullermann: „Wir müssen konsequent an ganz konkreten Projekten arbeiten.“


Die Menschen sollen kommen, sich in Friesoythe wohlfühlen, hier Großartiges erleben und an vielen Ecken auf das Thema Eisenstadt stoßen. So weit, so gut. Doch damit diese Ausführungen auch wirklich zu Visionen in den Köpfen der Friesoyther Bürger werden können, bedarf es doch deutlich mehr Inhalts und bedarf es der Beteiligung der Bürger. Wie genau kann das Profil an Kontur gewinnen? Was sind denkbare Projekte? Wer plant selbige? Viele Fragen also, die noch zu beantworten sind.

Anja Biewald
Anja Biewald Redaktion Oldenburg