Navigation überspringen
nordwest-zeitung
Abo-Angebote ePaper Newsletter App Prospekte Jobs Immo Trauer Shop

Schwangerschaft Mit Pille ein teures Vergnügen

Mirja Zipfel Nikola Nording

FRIESOYTHE - Aus deutschen Schlafzimmern sind sie kaum noch wegzudenken: Pille, Diaphragma, Spirale, Dreimonatsspritze oder das altbewährte Kondom. Wer sie benutzt, so heißt es, handle verantwortungsbewusst – sofern man sich als Frau vor einer ungewollten Schwangerschaft schützen möchte.

Dass der Kauf von Pille und Co. bei manchem Paar ein tiefes Loch im Portemonnaie hinterlässt, ist ebenfalls kein Geheimnis. Um Verhütung nicht vom Einkommen abhängig zu machen, unterstützt die Stadt Oldenburg ab dem 1. Oktober 2010 Leistungsbezieherinnen mit einem Zuschuss von maximal 100 Euro innerhalb eines Kalenderjahres. Bei hormonellen Verhütungsmitteln werden 50 Prozent der Kosten für das aktuelle Rezept erstattet.

Ratenzahlung

Doch wie sieht es im Nordkreis aus? Handelt es sich dabei um einen Fall, der Schule machen sollte? Die

NWZ

  hat nachgefragt. „Grundsätzlich würde ich so eine Kostenübernahme seitens der Stadt begrüßen. Man sollte schließlich allen Frauen die Möglichkeit auf ein normales Sexualleben geben“, sagt der Friesoyther Frauenarzt Dr. Günter Meschede. Zwar habe in der Vergangenheit in Einzelfällen das Sozialamt die anfallenden Kosten für eine Spirale getragen, dies aber, so Meschede, setze voraus, „dass die Frauen den Mut aufbringen, mit dem Sachbearbeiter darüber zu sprechen.“ Hormonelle Verhütungsmittel wie die Pille seien davon ausgeschlossen. Lediglich die Krankenkasse übernimmt die Kosten bis zum 18. Lebensjahr.

Apothekerin Sigrid Ritter hat die Beobachtung gemacht, dass einige ihrer Kundinnen die Dreimonatspackung in Raten abstottern. „Es kommt schon vor, dass sich die Frauen die Kosten aufteilen, um nicht alles auf einmal zahlen müssen.“ Wer so handelt, stecke durchaus in finanziellen Engpässen, glaubt sie.

Martina Hingst, Schwangerschaftsberaterin bei donum vitae in Barßel, hat es berufsbedingt mit werdenden Müttern zu tun. Doch nicht in allen Fällen handelt es sich auch um Wunschkinder. „Die Zahl der Bedürftigen, die uns aufsucht, ist hoch. Viele haben kein Geld für teure Verhütungsmittel und schützen sich mit der günstigen Alternative – dem Kondom. Diese Methode ist aber keine sichere Schwangerschaftsverhütung.“

Stadt Oldenburg als Vorbild

Die Beraterin würde es befürworten, wenn sich der Landkreis dem Oldenburger Modell anschließe. Nicht zuletzt auch aus einem zweiten Grund: „Für mich ist es ein Paradoxon, dass das Land Niedersachsen schwangeren bedürftigen Frauen eher einen Schwangerschaftsabbruch finanziert, anstatt die Verhütungsmittel zu bezuschussen.“


Gaby Emken-Schmidt, Schwangerschaftsberaterin beim Sozialdienst katholischer Frauen in Barßel, kann die Meinung ihrer Kollegin von donum vitae in der Form nicht teilen. „Bei den Frauen, die zu mir kommen, ist die Kostenübernahme für die Pille kein Thema.“ Das liege, so mutmaßt sie, möglicherweise daran, dass auch im ersten Moment ungewollte Kinder schnell als Teil der Gesellschaft akzeptiert werden. „In unseren noch sehr ländlichen Strukturen gehören Kinder einfach dazu.“

Dass sich der Landkreis Cloppenburg in nächster Zeit an den Kosten für empfängnisverhütende Mittel beteiligt, kann Landkreis-Sprecher Ansgar Meyer ausschließen: „Bislang gibt es keinerlei Überlegungen, so eine Kostenübernahmeregelung einzuführen.“

Themen
Artikelempfehlungen der Redaktion
Wo ist der Obdachlose hin? Kurz vor der Einmündung des Heidkamper Wegs in die Metjendorfer Straße in Neusüdende hatte sich der Mann mehrere Monate aufgehalten.

OBDACHLOSER IN NEUSÜDENDE Einsatz von Landkreis und Polizei – Mann wird jetzt medizinisch versorgt

Frank Jacob
Neusüdende
Analyse
Am Sonntag, 26. Juni,  war in Thüringen über Landräte, Oberbürgermeister, Bürgermeister sowie über Kreistage, Stadt- und Gemeinderäte abgestimmt worden. Nun stehen Stichwahlen vor der Tür.

STICHWAHLEN IN THÜRINGENS KOMMUNEN IM JUNI „AfD neben der CDU sozusagen die Volkspartei“

Mey Dudin Büro Berlin
Nach einer Fahrt unter Cannabiseinfluss ist der Führerschein weg. Durch das Cannabisgesetz ändern sich aber nicht nur die Blutwerte, ab denen die Fahrerlaubnis entzogen wird, sondern auch, wie man sie zurückbekommt. Der Fachdienst Straßenverkehr des Landkreises Wesermarsch erklärt, warum Kiffer nicht mehr zur MPU müssen (Symbolbild).

FÜHRERSCHEINENTZUG NACH CANNABISKONSUM Kiffer müssen nicht mehr zwingend einen „Idiotentest“ ablegen

Tim Rosenau
Brake
Das Café und Bistro „de Mood“ an der Schlachtstraße in Jever: Hier am Brunnen ist es an Himmelfahrt zu rassistischem Gegröle gekommen.

GEGRÖLE WIE AUF SYLT Café-Inhaberin aus Jever nach rassistischem Vorfall enttäuscht von Polizei

Svenja Gabriel-Jürgens
Jever
Ein Song von DJ Gigi D’Agostino wird derzeit von rechten Kreisen umgedichtet.

DISKUTIEREN SIE MIT! Partysong „L’amours toujours“ auf Feiern verbieten, um rechtes Gegröle zu verhindern?

Annika Schmidt
Oldenburg