Friesoythe - Fehlende Unterstützung durch das familiäre Umfeld, Partnerprobleme oder nicht geplante Schwangerschaften, Probleme am Arbeitsplatz, Krankheiten, Alkohol und Rauchen oder schwierige Wohnverhältnisse: Dies waren in den ersten sechs Monaten dieses Jahres Gründe für die Babylotsen, Kontakt mit schwangeren Frauen oder den werdenden Eltern aufzunehmen.

Seit Februar dieses Jahres bietet die Gynäkologische Praxis am MVZ des St.-Marien-Hospitals Friesoythe in Zusammenarbeit mit dem Sozialdienst katholischer Frauen (SKF) Cloppenburg das Projekt Babylotse an. Hier erhalten werdende Mütter und auch Väter bei allen Fragen rund um das Thema Schwangerschaft, Geburt und frühe Kindheit Unterstützung für die neue Lebenssituation.

Um schon von Anfang an eine positive Eltern-Kind-Beziehung zu fördern, beginnt das Projekt „Babylotse ambulant“ schon während der Schwangerschaft. Ziel ist es, aus der Vielzahl der Angebote werdenden Müttern rechtzeitig notwendige Hilfen anzubieten. Diese reichen von der Unterstützung bei formalen Angelegenheiten wie der Geburtsanmeldung oder dem Beantragen von Elterngeld bis hin zur Unterstützung bei existenziellen Problemen, denn Belastungen in Familien nehmen immer stärker zu. Wirtschaftliche Not, Arbeitslosigkeit, schwindende familiäre Strukturen, Trennung oder Krankheit sind nur einige Faktoren.

Im St.-Marien-Hospital werden jährlich fast 500 Babys geboren. Sandra Becker ist im Hause Ansprechpartnerin bei allen Fragen rund um das Thema Babylotse und arbeitet eng mit Martina Janhsen vom SKF zusammen. Der vertraute Kontakt in der Frauenarztpraxis eigne sich besonders gut, Frauen bereits in der Schwangerschaft für die Annahme von Hilfen zu motivieren, heißt es. In der Praxis erhält jede Frau einen sogenannten Mütterbogen zum Ausfüllen (zweimal während der Schwangerschaft und einmal nach der Geburt des Kindes). Die Daten werden streng vertraulich behandelt. Das Angebot ist für die Familien freiwillig und kostenlos.

102 ausgefüllte Bögen wurden in den ersten sechs Monaten dieses Jahres abgegeben – 64 Bögen vor der Geburt und 38 nach der Geburt des Kindes. In 24 Fällen wurde Kontakt zu den Schwangeren aufgenommen. In zwei Fällen gab es auch Hausbesuche und eine Begleitung der Familien über einen längeren Zeitraum.