FRIESOYTHE - Denkt man an Thailand, hat man palmengesäumte Strände vor Augen. Man weiß auch, dass der Sextourismus in dem Urlaubsparadies ein Problem ist. Dass es dort aber so genannte Seezigeuner gibt, die als Staaten- und damit Gesetzlose in der Provinz Ranong direkt an der Andaman See in katastrophalen Verhältnissen leben müssen, ist relativ unbekannt.
Die Friesoytherin Anne Rieken kümmert sich mit ihrer Hilfsorganisation Thai Care um diese Menschen – und um viele andere Bedürftige in Thailand. Die Seezigeuner, sie selbst nennen sich Moken, leben in Holzdörfern, die teilweise sogar im Meer errichtet wurden – mehr Platz gesteht man ihnen nicht zu. „Sie leben vom Fischfang, für sie gelten keine Gesetze, sie haben keine Rechte“, erzählt Anne Rieken. Thai Care Deutschland wurde als Pendant zum thailändischen Thai Care mit dem Deutschen Ralf Oberg an der Spitze gegründet. Von Deutschland aus werden die verschiedenen Projekte der Partnerorganisation mit der Vermittlung von freiwilligen Helfern, Patenschaften und Spenden unterstützt.
Drei Kindergärten konnten so beispielsweise für die Kinder der Seezigeuner gebaut werden. „Dort lernen die Kinder überhaupt erst Thai zu sprechen. Auch Englisch wird unterrichtet“, erklärt Rieken. Wer den Kindergarten besucht habe, dürfe zwar eine thailändische Schule besuchen, aber keinen Abschluss erwerben. „Erst die Kinder dieser Kinder, also die zweite Generation, dürfen einen Schulabschluss machen und die Staatsbürgerschaft beantragen.“ Im Sommer will sich Anne Rieken selbst ein Bild vor Ort machen: „Ich muss ja auch genau wissen, welche Bedingungen die Freiwilligen, die ich dorthin schicke, vorfinden. Nicht jeder kann unter diesen Verhältnissen leben.“
Andere Projekte wie das Waisenhaus in den Bergen von Chiang Mai in Mae Na Chorn und Mae Hae hat Anne Rieken schon besucht. Sie ist beeindruckt davon, wie die Kinder sich dort gegenseitig unterstützen. Für ein Projekt in der Provinz Mae Hong Son vermittelt Anne Rieken Patenschaften. Mit dem Geld werden Familien unterstützt, die ihre Kinder nicht finanzieren können. Das seien oft Halbwaisen, Waisen oder kranke Kinder. „Aids ist in Nordthailand weit verbreitet. 90 Prozent der Prostituierten haben dort Aids und ein thailändischer Mann verbringt seine erste Nacht meist bei einer Prostituierten.“
7000 Euro hat Thai Care Deutschland in der Weihnachtszeit an Spenden bekommen. Das Geld fließt nun in die Projekte, über die mehr als 200 Kinder betreut werden.
Außerdem will Anne Rieken ausgediente, aber intakte Brillen für die Bedürftigen sammeln. Die Brillen können bei Familie Rieken in Friesoythe, Schwaneburger Straße 23, im Don Bosco Kindergarten, im Schulzentrum Saterland in Ramsloh sowie in der Caritas Werkstatt in Altenoythe abgegeben werden.
