FRIESOYTHE/THüLE - Besonders die Talsperre wird von den Kormoranen belagert. Mehr als 100 werden täglich dort gezählt, die vor allem Jungfischen nachstellen.

Von Thomas Haselier

FRIESOYTHE/THÜLE - Glaubt man den Friesoyther Sportfischern, dann hat der Fischbestand im rund 70 000 Hektar großen Zuständigkeitsgebiet der Friesoyther Wasseracht keine gute Zukunft. Ein eher unscheinbarer Wasservogel sorgt dank seiner ungezügelten Fresslust seit Jahren für helle Aufregung unter den Berufs- und Freizeitfischern. Der Kormoran (lat. Phalacrocorax carbo) kommt hier längst nicht mehr vereinzelt vor. Vielmehr siedelt sich der Vogel in immer größeren Kolonien entlang der zahlreichen Binnengewässer an.

Rund 1300 Kormorane wurden zuletzt 2004 in Weser-Ems gezählt. Doch das sei nur eine wenig realistische Zahl, sagt Ede Brumund-Rü-ther, Sprecher der Sportfischer im Landesverband Weser-Ems. „Die Tiere lassen sich schwer zählen, weil sie so scheu sind. Man kann ihre Zahl auf mindestens das Dreifache schätzen.“ Was die Fischer so beunruhigt, ist der enorme Jagderfolg der flug-, schwimm- und tauchfähigen Vögel. Fast bei jedem Tauchgang erbeuten sie einen Fisch. Das Problem: Kormorane nehmen jeden Fisch, der durch ihren Schlund passt.

Heinz Schwantje, ehemaliger Hauptgewässerwart des Fischereinvereins: „Junge Hechte, Forellen, ausgewachsene Aale, Karpfen – ein Kormoran frisst alles, was er irgendwie bewältigen kann.“ Und nicht nur das, die Vögel attackieren auch große Fische, die sie nicht fressen können, die aber an den ihnen zugefügten Verletzungen verenden, so Schwantje. Solche Verletzungen seien immer wieder bei gefangenen Fischen oder beim Elektrofischen festgestellt worden.

Dass Kormorane für den Fischbestand mittlerweile ein ernstes Problem darstellen, steht für Hartwig von Garrel, Vorsitzender des Friesoyther Fischereivereins, außer Frage. „Die Vögel haben keine natürlichen Feinde, und die Fische sind ihnen hilflos ausgeliefert, weil sie derartige Verfolgung nicht gewohnt sind.“ Ganz schlimm sei es etwa bei Niedrigwasser, wenn den Jungfischen jeder Schutz im Uferbereich genommen sei. Das sei in der Talsperre häufig der Fall. „Dann ist das so, als würden die Vögel sich telefonisch benachrichtigen: Sie finden sich in großen Scharen ein, um die leichte Beute zu machen“, so Heinz Schwantje.


Der Schaden, den Kormorane bei „für teures Geld“ ausgesetzten Jungfischen anrichteten, sei erheblich, ergänzt Hartwig von Garrel. Allein an der Thülsfelder Talsperre seien täglich 100 oder mehr Kormorane anzutreffen, die im Rudel jagten.

Inzwischen hat auch die niedersächsische Landesregierung das Kormoran-Problem erkannt und versucht, mit Hilfe einer Kormoran-Verordnung weitere Überpopulationen zu verhindern. Doch ein geregelter Abschuss sei damit nicht sichergestellt, so Hartwig von Garrel, der nicht nur Sportfischer, sondern auch Jäger ist. Weil die Kormorane laut Verordnung in Schutzgebieten, also just da, wo sie am häufigsten vorkommen, nicht bejagt werden dürfen, kommt es kaum zu nennenswerten Abschussquoten. In der Jagdsaison 2004/2005 im Kreis Cloppenburg waren es 82, in diesem Jahr sind es bisher 44. „Das ist viel zu wenig, um nennenswert für Entlastung zu sorgen“, so von Garrel. Er hofft, dass die Jäger bei ihren normalen Reviergängen in der geregelten Jagdzeit für Kormorane von August bis März die Vögel verstärkt ins Visier nehmen. 2,50 Euro lässt sich der Fischereiverein jeden toten Kormoran kosten. Gezielte Jagdtage auf Kormorane seien sinnlos, da die schlauen Tiere nach Abgabe des ersten Schusses für

längere ZeIt verschwänden, erläutert der passionierte Jäger.