Friesoythe - Eine Bahntrasse quer durch die Innenstadt von Friesoythe? Nicht undenkbar. Zum einen gibt es noch immer einen Trassenverlauf zwischen Friesoythe und Sedelsberg, der offiziell als Bahnlinie gewidmet ist (siehe Grafik), zum anderen gibt es dazu eine 26-seitige Machbarkeitsstudie, die 2008 vom Landkreis Cloppenburg in Auftrag gegeben worden ist. Hintergrund dieser Überlegung war die Anbindung des C-Ports an das Schienennetz.
Der damalige Landrat Hans Eveslage hielt dieses Vorhaben damals für „dringlich“. Auch der damalige Friesoyther Bürgermeister und heutige Landrat Johann Wimberg unterstützte diese Idee. 2008 sagte er im Gespräch mit unserer Zeitung: „Eine Eisenbahnstrecke ist von wirtschaftlicher Bedeutung.“
Im Gespräch war auch noch eine Erschließung des C-Ports aus Richtung Sedelsberg mit einer Eisenbahnbrücke über den Küstenkanal. Doch schnell wurde es wieder ruhig um das damals heiß diskutierte Thema. Wohl auch, weil es mit einer Investition von knapp 13 Millionen Euro (Innenstadtvariante) und 21 Millionen Euro (Brückenvariante) eine finanzielle Herausforderung gewesen wäre.
Doch begraben wurde das Projekt nicht. 2012 war plötzlich von einem Businessplan die Rede, in dem diesmal genaue Kosten für drei Varianten ermittelt werden sollten: eine Anbindung über Friesoythe, eine Anbindung über Sedelsberg und der komplette Lückenschluss zwischen Friesoythe und Sedelsberg. Doch auch um diesen Plan, der die Innenstadtvariante bevorzugt, ist es schnell wieder still geworden.
Anbindung an C-Port
Erloschen ist diese Flamme aber nie. Und so erhält dieses Feuer erneut neue Nahrung. Als der Geschäftsführer der Friesoyther Eisenbahngesellschaft (FEG), Dirk Vorlauf, auf der jüngsten Sitzung des Ausschusses für Wirtschaft, Soziales und Gesundheit am Mittwochabend über die neuen Projekte der Gesellschaft sprach, erwähnte er als Option auch die Gleisanbindung an den C-Port. Die FEG betreibt die Strecke zwischen Friesoythe und Cloppenburg.
Schon damals war Vorlauf, auch in der Funktion des Ersten Stadtrates der Stadt Friesoythe, ein Fürsprecher der Anbindung durch die Innenstadt. 2012 sagte er gegenüber unserer Zeitung: „Aus wirtschaftlicher Sicht kann es nur diese Alternative geben.“ Und weiter: Die Stadt Friesoythe unterstütze die Bahnanbindung an den C-Port, denn man habe ein Interesse an der wirtschaftlichen Entwicklung der Region.
Fast sieben Jahre später brachte er das Projekt also wieder erneut ins Spiel und bezog sich auf die schon bekannte Machbarkeitsstudie aus dem Jahr 2008, die jetzt womöglich im Auftrag des Landkreises Cloppenburg aktualisiert werden soll. Er freue sich, dass der Landkreis die Idee unterstützte.
Kreisrat Neidhard Varnhorn, der ebenfalls am Mittwoch an der Ausschusssitzung teilnahm, bestätigte, dass es seitens des Landkreises Überlegungen gebe, die Machbarkeitsstudie überarbeiten zu lassen. Im Gegensatz zu einer früheren Denke, erst eine Anbindung an den C-Port zu schaffen, wenn ein großes Unternehmen mit vielen potenziellen Arbeitsplätzen diese wünscht, gibt es jetzt andere Gedanken. „Wir können nicht warten, bis einer kommt“, so Varnhorn. Das wäre zu spät.
ÖPNV rückt im Fokus
Aber noch etwas rückt in den Fokus: Der Personennahverkehr. Ging es sonst nur um den Transport von Gütern, schaut man nun auch auf eine mögliche Personenbeförderung – und zwar von Cloppenburg bis nach Ocholt. Das würde eine Trasse durch Friesoythe und über den Küstenkanal bedeuten. „Der öffentliche Personenverkehr gewinnt immer mehr an Bedeutung“, sagte Varnhorn, der die Kosten für eine Bahnverbindung auf rund 30 Millionen Euro schätzt.
