FRIESOYTHE - Dem Augustendorfer Revierförster Onno Striowsky sind die Regenfälle der vergangenen Monate sichtlich aufs Gemüt geschlagen. „Seit Oktober hatten wir eigentlich nur schlechtes Wetter mit hohen Regenmengen“, seufzt der Waidmann. Für Feldhasen, die seit Januar ihre ersten Junghasen zur Welt bringen, bedeuten die hohen Regenmengen eine akute Gefahr für ihre Population.
So mancher frisch gesetzter Junghase wird schlicht ertrunken sein oder durch Krankheit kurz nach der Geburt den Tod gefunden haben. „Bei solchen Witterungen ist die Krankheitsrate bei Kaninchen und Hasen besonders hoch“, weiß Revierförster Striowsky aus langjähriger Erfahrung. Vor Jahrzehnten war die Geburt von Junghasen im Januar eine absolute Ausnahme. Doch heute gehören Hasengeburten im Januar zur Regel. „Die frühe Setzzeit hat auch Vorteile, weil die Junghasen dann von den Äckern flüchten können, wenn im März die Bauern mit ihren Landmaschinen die Äcker bestellen“, sagt der Cloppenburger Kreisjägermeister Herbert Pietann. Die feuchte Witterung während der 1. Setzzeit im Januar ist auch aus Sicht des Kreisjägermeisters „nicht förderlich für den Hasenbestand“ im Nordkreis Cloppenburg. „Zum Glück sind die Hasenbestände im gesamten Landkreis Cloppenburg so gut, dass wir so einen Einschnitt in die Hasenpopulation, wie wir ihn derzeit befürchten, gut verkraften können“, sagt Pietann.
Nach Angaben des Instituts für Wildtierforschung an der Stiftung der Tierärztlichen Hochschule Hannover beträgt der Hasenbestand im Nordkreis Cloppenburg rund 20 Hasen je 100 Hektar Fläche. Zum Vergleich: Im Osten Niedersachsens beträgt die Hasenzahl je 100 Hektar Fläche im Schnitt nur zehn Hasen.
„Vor allem die Staunässe auf den Feldern macht den Hasen zu schaffen, weil sie im Gegensatz zu den Kaninchen nicht in Höhlen ihre Nester bauen, sondern auf dem freien Feld, wo sie dem Regen schutzlos ausgeliefert sind“, sagt Dr. Egbert Strauß vom Institut für Wildtierforschung. Neben den starken Regenfällen gefährden auch Beutegreifer die Junghasenpopulation. „Mäusebussard, Fuchs, Marder, Katzen und Rabenvögel dezimieren den Junghasenbestand“, so der Wildtierexperte.
Im Hannoveraner Institut befasst man sich inzwischen mit auch mit einem gesonderten Forschungsprojekt mit dem Thema „Junghasen“. Als erste Zwischenbilanz konnten die Wildbiologen auch die Vermutung entkräften, dass intensive Landwirtschaft sich negativ auf die Hasenpopulation auswirkt. „Die Hasen weichen in Regionen mit Intensivackerbau auf die begrünten Ackerränder aus“, sagt Dr. Strauß.
Um den Fortbestand der Hasenpopulation ist dem Wildtierexperten aus der Landeshauptstadt jedenfalls nicht bang. „Die Hasenpopulation hat bisher in den vergangenen zehn Jahren in Niedersachsen beständig zugenommen.“
