FRIESOYTHE/VREES - Rund 1000 Hektar groß wird das eingezäunte Waldgelände bei Markhausen sein. Zunächst vier ausgewachsene Wisente sollen die neue Herde bilden.

von Thomas Haselier

FRIESOYTHE/VREES - Sie sind riesig und wild, und vor einigen Tausend Jahren gab es sie auch in dieser Gegend in großer Zahl, ehe sie – wie fast überall in Europa – ausstarben: Jetzt feiert das Wisent im Eleonorenwald zwischen Markhausen und dem emsländischen Vrees so etwas wie seine Wiedergeburt. Geht es nach den gemeinsamen Plänen des niedersächsischen Umweltministeriums und des Waldbesitzers, der Arenberg-Gesellschaft, dann werden schon bald wieder Wisentherden durch das rund 1000 Hektar große Waldareal streifen. Das bestätigte gestern das Ministerium auf Anfrage der NWZ .

Man rechne noch im Monat November mit einem Vertragsabschluss zwischen dem Land Niedersachsen und der Arenberg-Gesellschaft, sagte Ministeriumssprecher Magnus Buhlert. Hintergrund sei der Versuch, mit Hilfe der Wiederansiedlung der Wildrinder kostengünstige, natürliche und intensive Landschaftspflege zu betreiben.

Der zum Besitz der Arenberger Privatforst- und Grundbesitzverwaltung gehörende Eleonorenwald, der insgesamt rund 2000 Hektar groß ist, soll nach den Plänen etwa zur Hälfte als eingezäunter Wildpark genutzt werden, bestätigte der Geschäftsführer der Arenberg-Gesellschaften in Vrees (Landkreis Emsland), Privatforstdirektor Winfried Frölich. „Das betroffene Gebiet ist bereits seit 1908 mit einem Gatter eingezäunt“, erläuterte Frölich. Von seiner weitgehend naturbelassenen Struktur her sei es ideal geeignet für die Wiederansiedelung der Wisente. Insofern werde kaum etwas verändert, zumal auf dem eingezäunten Waldgelände in der Vergangenheit „illegal“ bis zu 130 Rinder gehalten worden waren. Spaziergänger würden die vorerst vier Wisente trotz ihrer gewaltigen Größe kaum einmal zu Gesicht bekommen. Das eingezäunte Waldgelände werde wegen seiner Unzugänglichkeit auch kaum als Spaziergebiet genutzt und habe deshalb als unmittelbares Naherholungsgebiet bislang kaum Bedeutung. „Da geht selten

jemand spazieren“, weiß Frölich aus Gesprächen mit seinem für den Eleonorenwald zuständigen Revierförster Johannes Dierkes. Das könnte sich mit der Wiederansiedlung der mächtigen Wildrinder ändern. Denn nach den Worten von Ministeriumssprecher Buhlert sei durchaus denkbar, in Zukunft auch gezielt Führungen zu den Rindern anzubieten. Sich selbständig auf die Suche nach den Wisenten zu machen, hält Winfried Frölich für keine gute Idee, „es handelt sich um wilde Tiere, die schon allein wegen ihrer Größe mit Respekt zu behandeln sind.“ Ein besonderes Risiko gehe aber von den Wisenten nicht aus, das zeigten Erfahrungen mit frei lebenden Herden etwa in Mecklenburg-Vorpommern oder auch in Polen. „Nach unseren Erkenntnissen hat es nirgendwo bisher einen erwähnenswerten Unfall mit den Rindern gegeben“, sagte Frölich. Die Tiere werden aus Zoos angekauft und dann ausgesiedelt. Wie Ministeriumssprecher Buhlert und Frölich übereinstimmend erklärten, sei die Ansiedlung der Wisente kein Versuch,


„nach und nach dort einen Wildpark oder gar einen Zoo einzurichten“. Es gehe ausschließlich darum, mit Hilfe der Wisente ein Stückchen Renaturierung umzusetzen. Die wirtschaftliche Nutzung des Waldes bleibe davon völlig unberührt.

Die Wisente unterliegen dem Jagdrecht, was jedoch nur von theoretischer Bedeutung ist, denn es gibt für sie keine Jagdzeiten. Sie sind für Jäger das gesamte Jahr über tabu. Es sei auch nicht daran gedacht, die Ansiedlung der Wisente mit der Wiederansiedlung von deren natürlichen Feinden wie etwa Bär, Luchs oder Wolf zu verbinden, sagte Buhlert, um damit gleich dahin gehende Spekulationen zu unterbinden. Das betroffene Waldgebiet sei dafür weder geeignet noch groß genug. Bestehende Jagdreviere sollen unverändert bleiben. Freie Jagdreviere würden bevorzugt an örtliche Jäger verpachtet.

Bei ansonsten durchaus idealen Lebensbedingungen ist zu erwarten, dass die erst kleine Wisent-Herde mit einem Bullen und drei Kühen rasch wächst. Wissenschaftlich begleitet wird die Wiederansiedlung der Wisente vom Naturschutzbeauftragten des Landkreises Emsland, Dr. Heinz Düttmann (Hochschule Vechta), der sich persönlich sehr für das Projekt stark gemacht hatte, so Winfried Frölich.

Die Arenberger Privatforst- und Grundbesitzverwaltung ist die größte Privatwaldbesitzerin Niedersachsens. Sie bewirtschaftet insgesamt annähernd 10 000 Hektar Wald vornehmlich in den Landkreisen Cloppenburg, Emsland und Grafschaft Bentheim. Alleinige Gesellschafterin der Arenberg-Nordkirchen GmbH und der Arenberg-Meppen GmbH ist die Stiftung Herzog von Arenberg.