FRIESOYTHE - Soeste, Lahe und Marka: Die drei Gewässer bestimmen das Einzugsgebiet der Friesoyther Wasseracht. Der Verband mit Sitz in Friesoythe kümmert sich um den Unterhalt von insgesamt 1400 Kilometern Gewässern in drei Landkreisen. 29 Mitarbeiter hat die Wasseracht, die ganzjährig meist mit Baggern im Einsatz sind.
Früher haben wir auch Fremdfirmen beschäftigt, inzwischen machen wir alles zu 100 Prozent in Eigenregie, gegen den Trend des Outsourcens, erklärt der Stellvertretende Geschäftsführer Gregor Möller-Reemts mit gewissem Stolz. Man habe die Arbeit so optimiert, dass die Leute nicht mehr sechs Monate arbeiten und sechs Monate stempeln müssten. Glücklicherweise. Die Leute sollen ihre Familien schließlich vernünftig ernähren können, so Verbandsvorsteher Hans Peckskamp.
Je nach Jahreszeit stehen unterschiedliche Arbeiten an: Anfang des Jahres werden Bäume beschnitten, Böschungen gesichert und Dienstleistungen für Gemeinden wie der Bau von Regenrückhaltebecken erledigt. Von Juli bis Dezember ist es Zeit, die Gräben zu reinigen, sprich freizuschneiden. Inzwischen kann dabei über 80 Prozent der Arbeit mit Maschinen erledigt werden die Wasseracht hat dafür sieben Bagger.
Auf einem davon fährt Richard Wieborg nun langsam an der Grabenkante entlang. Ruhig und akkurat schneidet er mit einem etwa fünf Meter breiten Mähkorb das Gras aus dem zugewachsenen Graben. Auf die Klimaanlage verzichtet er, sonst hört man nicht, was vorne passiert.Der gelernte Maschinenschlosser schafft etwa zwei Kilometer Graben am Tag, je nach Lage. Kleinere Reparaturen an den Messern erledigt er selbst.
Seit 15 Jahren ist Wieborg bei der Wasseracht und bildet da keine Ausnahme. Die Fluktuation sei sehr gering, so Möller-Reemts. Auch der Leiter des Außendienstes, Andre Hanken, ist seit 20 Jahren bei dem Verband. Der Wasserbau-Meister plant die Außeneinsätze, kontrolliert die verschiedenen Baustellen und kümmert sich um die beiden Auszubildenden. Die zwei angehenden Wasserbauer lernen die Theorie in der Berufsschule in Koblenz, die Praxis in Friesoythe und umzu. Als Projekt müssen unsere Azubis beispielsweise an einer Stelle der Marka selbstständig einen Strömungslenker planen und auch selbst bauen. So soll der Bach wieder mehr mäandern, also mehr Kurven bekommen. Diese Aufgabe läuft unter dem Motto Renaturierung ein Bereich, um den sich die Wasseracht zunehmend kümmern muss.
Nach dem Krieg sollten möglichst große landwirtschaftliche Flächen entstehen, die Flüsse und Bäche wurden begradigt. Inzwischen setzt ein Umdenken ein. Wir müssen einen Kompromiss zwischen Landwirtschaft und Natur finden, so Hanken.
Auch bei Regenrückhaltebecken geht der Trend in Richtung naturnaher Gestaltung siehe Altenoythe. Viele erkennen daher oft gar nicht den Nutzen des Gewässers, sondern sehen nur ein schönes Naherholungsgebiet, erklärt Hanken lächelnd.
