FRIESOYTHE - Seit Tagen ärgert sich so mancher über den Wetterbericht. Denn der sagt derzeit im Nordkreis nur eines voraus: Regen, Regen und nochmals Regen. Auch in Friesoythe haben sich mittlerweile große Wasserlachen auf Straßen und Fußwegen gebildet. Ohne Regenschirm trauen sich die Bürger kaum noch vor die Tür. Doch wo bleibt das ganze Regenwasser eigentlich?
Laut Martin Windhaus, Geschäftsführer der Wasseracht Friesoythe, gibt es verschiedene Fließwege. In besiedelten Bereichen fließt das Regenwasser von den Dächern in die Regenrinne und in einen Regenwasserkanal. Etwa zehn Minuten später läuft es in ein Fließgewässer. Es kann aber zuerst auch in ein Regenrückhaltebecken und dann erst in ein Fließgewässer laufen. In Friesoythe ist das die Soeste. Bei nicht besiedelten Flächen nehmen der Boden und die Pflanzen viel Wasser auf.
Mehr Regen im Sommer
Ungewöhnlich viel würde es laut Windhaus aber für den Monat Oktober nicht regnen: „Wir haben viel mehr Regen im Sommer gehabt, etwa das Doppelte von dem, was sonst fällt.“ Die Wasseracht führe selber keine exakten Messungen durch. Lediglich ein kleiner Regenmesser werde genutzt. So wurden in der ersten Oktoberwoche acht Liter Regenwasser pro Quadratmeter gemessen, am vergangenen Wochenende waren es 31 Liter. „Das ist noch nicht besorgniserregend“, sagt Windhaus. „Der regenreichste Monat ist statistisch der Juli.“
So habe es im Juli/August Probleme im Bereich Altenoythe an der Lahe gegeben. Windhaus: „Wir haben aufgrund der hohen Niederschläge Teile im Altenoyther Feld entwässert. Die Gewässer standen sehr hoch. Das Wasser lief teilweise über die Böschung auf die Felder.“ Mit einem Bagger wurden die Wasserpflanzen und das Gras aus den Gewässern entfernt, damit der sogenannte Gewässerschnitt wieder frei wurde. Das Verfahren nennt sich „krauten“. „Teilweise wird das auch mit einem Boot gemacht, das Sensen hinter sich herzieht“, sagt Windhaus. Der Wasserspiegel sei durch das Krauten um 20 bis 30 Zentimeter gefallen. Durch die Entfernung der Pflanzen habe es weniger Widerstand zum Abfließen. Windhaus: „Gewässer sind Bestandteile des Naturhaushaltes. Die Lahe ist sehr fischreich. Wir müssen beim Krauten aufpassen, dass wir die ökologischen Verhältnisse beachten.“ So stand beim Krauten ein Mitarbeiter am Ufer und hat die Fische, die der Bagger versehentlich aus dem Gewässer gefischt hatte, wieder hinein geworfen.
130 Liter pro Quadratmeter
Laut Windhaus habe es im Jahr 1998 ein noch größeres Problem in Friesoythe als in Altenoythe gegeben. Da der Herbst sehr regenreich gewesen sei, wozu auch eine Regenfront aus den Niederlanden geführt habe – es fielen 130 Liter Wasser pro Quadratmeter in 24 Stunden – sei es zu Hochwasser gekommen. „Das Problem war, dass die Talsperre noch nicht saniert und der Boden schon durchfeuchtet war“, sagt Windhaus. „Viel mehr Regen hätte nicht mehr kommen dürfen.“
In der Stadt werde der Regenfluss durch Kanäle geregelt. Das Regenwasser wird getrennt von Abwasser abgeführt. „Wenn durch den Regen mehr Wasser im Abwasserkanal ist, ist der Mengenstrom höher, aber noch nicht dramatisch“, sagt der Geschäftsführer.
