FRIESOYTHE - Der anhaltende Regen hält die Mitarbeiter der Friesoyther Wasseracht auf Trab. Geschäftsführer Martin Windhaus (47) und Verbandsvorsteher Hans Peckskamp (65) erleben eine aktuelle Hochwassersituation, wie sie nur im Jahr 1998 schlimmer gewesen sei. Die Wasseracht ist zuständig für 1400 Kilometer Gewässerläufe. Martin Windhaus beschreibt die Lage: „Gräben und Flussläufe sind gefüllt, die Ackerflächen sind gesättigt, doch die Situation ist für uns beherrschbar.“
Lahe und Soeste
Das System funktioniere. Das Wasser laufe ab, berichten Windhaus und Peckskamp im Gespräch mit derNWZ
. Sollte es in den nächsten Tagen allerdings weiterhin stark regnen, seien großflächige Überschwemmungen im Nordkreis Cloppenburg zu erwarten, sagt Windhaus. Betroffen seien dann vornehmlich landwirtschaftliche Flächen, weniger Siedlungsgebiete. Windhaus: „Wir verfügen im Nordkreis über eine ausreichende Zahl von Überflutungsflächen.“ Die werden auch benötigt, denn bereits jetzt ist die Lahe in Ikenbrügge über die Ufer getreten. In Kampe hat die Soeste in Teilbereichen ihr Flussbett verlassen und überschwemmt angrenzende Wiesen und Weiden. In Barßel ist das Hafengelände überflutet. Ein Rückgang der Pegelstände ist nicht zu erkennen und auch im Moment nicht zu erwarten, sagen die Experten der Friesoyther Wasseracht.Tidenhub sorgt für Druck
In der Soeste und in der Sagter Ems sorgen Ebbe und Flut für weiteren Druck. Der Tidenhub beträgt hier noch gut 80 Zentimeter. Immer mehr Wasser kommt damit in die Flüsse. Doch die Friesoyther Wasseracht hat sich mit ihren 30 Mitarbeitern auf diese Situation gut vorbereitet, wie Windhaus und Peckskamp betonen. Im vergangenen Herbst und Sommer wurden routinemäßig Gräben und Durchflüsse gereinigt. Das sorge jetzt dafür, dass das Wasser gut ablaufen könne.
Wenig Verständnis haben die beiden Vertreter der Wasseracht deshalb für das unbesonnene Handeln von einigen Menschen. So waren an der Georg-Hoes-Straße in Glaßdorf von Unbekannten Altreifen und Autoersatzteile in einen Entwässerungsgraben geworfen worden und blockierten den Abfluss. Windhaus: „Das ist ein grundsätzliches Problem. Wir wären froh, wenn die Leute weniger Plastikmüll wegwerfen würden, denn der verstopft unsere Gräben.“
Schöpfwerke helfen
Für Hochwasser-Entlastung sorgen im Norden des Landkreises auch die 14 von der Wasseracht betriebenen Schöpfwerke. Deren Pumpen befördern riesige Wassermengen auf höher gelegene Flächen, in andere Gräben, Kanäle und Flüsse. Windhaus: „Jetzt laufen die Pumpen rund um die Uhr.“ Das wird vorerst auch so bleiben, denn der Leda-Jümme-Wasserverband hat am Freitag Alarm geschlagen: Alle Überlaufpolder sind bereits mit Wasser gefüllt.
