Friesoythe - Die Chancen für die Reaktivierung der Bahnstrecke zwischen Friesoythe und Cloppenburg für den Personennahverkehr stehen relativ gut. Laut der SPD-Landtagsabgeordneten RenateGeuter wird der Strecke großes Potenzial eingeräumt. Wie berichtet, will die Landesregierung stillgelegte Bahnstrecken reaktivieren und wieder für den Personenverkehr fit machen. Aus der ursprünglich mehr als 85 Trassen umfassenden Liste sind nunmehr noch 28 übrig geblieben – darunter Friesoythe – Cloppenburg sowie Ocholt – Sedelsberg (die NWZ  berichtete).

Nach Angaben Geuters soll noch in diesem Jahr feststehen, welche „drei bis vier“ Strecken ausgewählt werden. Das Programm soll aber danach fortgesetzt werden, Friesoythe kann also bei einer guten Bewertung selbst dann noch hoffen, wenn sie in der ersten Runde nicht berücksichtigt wurde. Für die Strecke spreche auch die positive Bevölkerungsprognose im Landkreis Cloppenburg, hieß es.

Bürgermeister Johann Wimberg, Vorsitzender der Friesoyther Eisenbahngesellschaft (FEG), und Dirk Vorlauf als deren Geschäftsführer informierten am Freitag im Salonwagen der Museumseisenbahn, der dafür am Friesoy-ther Bahnhof Station machte, über die Planungen, sollte die Strecke tatsächlich zum Zuge kommen. Dabei waren auch der Landtagsabgeordnete Hans-Joachim Janßen (Grüne), die Ratsmitglieder Hildegard Kuhlen (CDU) und Ludger Beelmann (Grüne) sowie Saterlands Bürgermeister Hubert Frye, der auch Verbandsgeschäftsführer für den Zweckverband C-Port ist.

„Wir haben Pionierarbeit geleistet“, erinnerte Wimberg an die Initiative der Stadtverwaltung, die die Gleisanlage vor zehn Jahren in eigene Hände übernommen hatte. „Dadurch sei „ein gewisser Status erreicht“, durch den die Chancen für die Reaktivierung steigen würden.

Seit 2003 wird die 26 Kilometer lange Strecke von der FEG betrieben, die als anerkanntes Eisenbahnverkehrsunternehmen künftig auch Personenverkehr über die Gleise schicken könnte. Obwohl sich die Strecke laut Landeseisenbahngesellschaft in einem „verkehrssicheren Zustand“ befindet, müssten rund sechs Millionen Euro in die Ertüchtigung und Sicherheitsmaßnahmen an den 20 Bahnübergängen investiert werden, rechnete FEG-Geschäftsführer Vorlauf vor. Durch die Verordnung über die Kosten von Maßnahmen nach dem Eisenbahnkreuzungsgesetz müsste die FEG ein Drittel davon tragen, Förderprogramme des Landes könnten den Betrag weiter reduzieren.

Wie hoch die Betriebskosten wären, müsste dann in einem Wirtschaftsplan errechnet werden. Angeschafft werden würde ein „LINT 41“-Betriebswagen mit Platz für rund 100 Fahrgäste. Es könnten sogar mehrere Züge gleichzeitig auf der Strecke fahren, da es in Bösel bereits ein Umfahrgleis gibt.

Potenzial für die Strecke sehen die Verantwortlichen allemal: zum einen durch die Schüler aus Bösel, die Schulen in Friesoythe besuchen oder aus Garrel, die nach Cloppenburg pendeln. Durch die Reaktivierung der Strecke Friesoythe-Cloppenburg mit dem Lückenschluss nach Sedelsberg würden zum anderen rund 100 000 Einwohner entlang der Strecke vernetzt, sagte Vorlauf. „62 Prozent der Bevölkerung des Landkreises Cloppenburg wären erschlossen.“

Der Lückenschluss zwischen Sedelsberg und Friesoythe wäre auch für den C-Port von enormer Bedeutung, sagte Hubert Frye. Der ist aber nicht gerade günstig: Laut Businessplan des C-Ports würde dieser einschließlich des Anschlusses des Industrieparks rund 20 Millionen Euro kosten.

Durch die Reaktivierung wäre über den Bahnhof Cloppenburg die Anbindung an den Personenfernverkehr geschaffen, sagte Wimberg. Das heutige ÖPNV-Angebot sei eh „sehr überschaubar“.