FRIESOYTHE - Die drei Männer sind sich einig: Friesoythe und umzu ist ein sicheres Pflaster. Anders als andere Regionen Deutschlands und der Welt haben die Menschen des Oldenburger Münsterlandes in der Regel keine Überschwemmungen, Stürme oder Erdbeben zu befürchten. Doch an zwei Ereignisse erinnern sich Bernhard Preuth (61), Johannes Grale (70) und Helmut Meyer (68) gut. Da war zum einen der Sturm am 13. November 1972 und zum anderen das große Schneetreiben, das zur Jahreswende 1978/79 zuerst nach Holstein kam und Ende Januar das Münsterland erreichte. Die Wochen, in denen der Schnee kam, jähren sich somit zum 30. Mal.

Bernhard Preuth, Küster der Friesoyther St.-Marien-Gemeinde, arbeitete zu Beginn des Jahres 1979 bei der Müll-abfuhr: „Wir konnten an vielen Stellen gar keine Entsorgung durchführen, weil wir den Straßenverlauf nicht er-kennen konnten. Einen solch schlimmen Schneefall hat es danach nie wieder gegeben“, erinnert er sich. Sein Freund Johannes Grale, der damals die ortsansässige Tischlerei leitete, weiß noch genau, wie über Nacht der Schnee kam und er gemeinsam mit seiner Frau frühmorgens eine Spur freischaufeln musste, damit die Angestellten auf den Hof fahren konnten. „Wir konnten nicht aus den Fenstern gucken, so hoch stand der Schnee. Für die Kinder war es ein Fest, sie hatten eine Woche schulfrei. Sie haben sich einen Spaß daraus gemacht, Schneewände hinter die Autos unserer Angestellten zu bauen, so dass sie nach Feierabend nicht den Hof verlassen konnten“, sagt Grale schmunzelnd.

Doch worüber die Männer heute lachen können, war damals mit viel schwerer Arbeit und Entbehrungen verbunden. Der dritte im Bunde, der ehemalige Lehrer Helmut Meyer, hatte gerade seine Freundin und heutige Ehefrau kennen gelernt die er wegen des Schneegestöbers zwei Wochen lang nicht sehen konnte. „Es war unmöglich, von Lindern nach Friesoythe zu kommen, der Schnee stand bis zu drei Meter hoch. Irgendwann ging es wieder, aber man musste über Cloppenburg fahren“, sagt Meyer lachend.

„Man hat schon etwas mehr eingekauft als sonst, aber Hamsterkäufe gab es nicht”, berichtet Preuth. Stärker betroffen als die Stadt waren die Friesoyther Randgebiete, in denen durch zugeschneite Verkehrswege Versorgungsengpässe für Menschen und Tiere entstanden. Neuschnee und Schneeverwehungen hielten die Menschen auf Trab. „Tagsüber taute der Schnee, dann fror er nachts wieder und wurde so immer kompakter und härter“, erinnert sich Preuth.

Die Stadt war so sehr im Schnee versunken, dass das Transportunternehmen Mildenberger begann, die weiße Masse nach und nach mit Radladern abzutransportieren, um sie am Schützenplatz in der Soeste zu „entsorgen“. Bernd Preuth berichtet von großer gegenseitiger Nachbarschaftshilfe: „Stundenlang haben wir zusammen die Schneemassen in einen Wassergraben geschaufelt.“