Ramsloh - Schon ein Schild an der Hofeinfahrt weist darauf hin: hier kann man seine Milch selber zapfen – und das 24 Stunden täglich. Seit dem Wochenende gibt es die Milchtankstelle auf dem Hof der Familie Rauert an der neuen Umgehungsstraße „Am Ostermoor“ 123 in Ramsloh. Es ist die erste in der Gemeinde Saterland. Direkt am Boxenlaufstall ist dafür extra ein Holzblockhaus gebaut worden, in dem sich der Automat befindet. Das Prinzip ist ganz einfach: Geld einwerfen, die kleine Tür am Automaten öffnen, Flasche dort hineinstellen und auf einen Knopf drücken. Schon fließt frische Landmilch in die Flasche. Ein Liter kostet einen Euro.

„Wir haben die Milchtankstelle als zusätzliches Beibrot eröffnet“, sagt Landwirt Markus Rauert, der den Hof der alteingesessenen Landwirtsfamilie Rauert in dritter Generation betreibt. Denn den Milchpreisverfall – für einen Liter Milch bekommen Landwirte rund 20 Cent – könne man damit nicht auffangen. Der Milchpreisverfall sei auch wirtschaftlich schlecht für alle vor- und nachgelagerten Betriebe, so Rauert weiter. „Wir wollen die Lobby der Landwirte stärken“, sagt seine Lebensgefährtin Verena Gerlach zur Idee der Milchtankstelle. Aber auch der Bedarf sei groß gewesen. So sei sie in den vergangenen zwei Jahren immer wieder angesprochen worden, ob man nicht Milch direkt bei ihnen bekommen könnte.

Die Flaschen für den Automaten können entweder selber mitgebracht oder aber direkt vor Ort gekauft werden. Die Glasflaschen, die 3,50 Euro kosten und immer wieder verwendet werden können, fassen genau einen Liter. Auch gibt es Einmal-Flaschen aus Plastik für 50 Cent. „In den ersten Tagen haben wir schon viele Glasflaschen verkauft“, freut sich Gerlach.

Maximal 150 Liter Milch fasst der Tank des Automaten. Diese kommt als Rohmilch gekühlt bei vier bis sechs Grad Celsius aus dem Tank und muss vor dem Verzehr abgekocht werden. „Die Milch wird täglich gewechselt und der Automat täglich gereinigt“, sagt Gerlach. Die Restmilch würden die Kälber bekommen. 50 aktive Milchkühe leben auf dem Hof.

Während die Milchtankstelle am Wochenende für Bekannte, Familie und Freunde bereits geöffnet hatte, fand die offizielle Eröffnung am Montag statt. Die Resonanz, so Gerlach, sei sehr gut. „Die Leute freuen sich und sagen, dass es wie früher sei, wenn die Milch direkt beim Bauern gekauft wurde. Es läuft wirklich gut an. Man sieht viele bekannte, aber auch unbekannte Gesichter.“


Um das neue Holzblockhaus wurde auch neu gepflastert, damit Autofahrer mühelos auf den Hof und wieder herunter fahren können. Und wer Glück hat, kann beim Milchzapfen auch noch die Kühe auf der anliegenden Wiese beobachten und somit direkt sehen, wo die Milch herkommt.

Tanja Mikulski
Tanja Mikulski Redaktion Münsterland