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NWZonline.de Nachrichten Wirtschaft

Frische Milliarden sollen Befreiungsschlag bringen

05.03.2017

Frankfurt Am Main John Cryan setzt zum großen Wurf an. Der Chef der Deutschen Bank will das Geldhaus, das schwer unter Druck steht, mit frischem Kapital stabiler machen. Durch einen Umbau soll das Geschäft angekurbelt werden. Die Überraschung dabei: Die Postbank, die eigentlich verkauft werden sollte, hat nun gute Chancen, im Konzern zu bleiben. Cryan vollzieht damit eine Rolle rückwärts. Seine glücklosen Vorgänger Anshu Jain und Jürgen Fitschen hatten die auf Privatkunden ausgerichtete Tochter noch loswerden wollen.

„Die Deutsche Bank bestätigt vorbereitende Schritte für eine potenzielle Kapitalerhöhung in Höhe von rund 8 Milliarden Euro und verschiedene strategische Maßnahmen.“ Mit dieser Mitteilung an die Börse hatte die Deutsche Bank am Freitagabend darauf reagiert, dass Medien über den Tag hinweg mehr und mehr Einzelheiten eines anstehenden Umbaus ausgegraben hatten. Im Einzelnen erwägt die Deutsche Bank „den Verbleib der Postbank im Konzern und ihre Integration mit dem deutschen Privat- und Firmenkundengeschäft sowie den Verkauf einer Minderheitsbeteiligung an der Deutschen Asset Management über einen Börsengang“.

Es ist kein Wunder, dass Cryan gerade jetzt vorprescht: Zum einen ist es für die Deutsche Bank schwer, einen Käufer für die Postbank zu finden, der die erhoffte Summe zu zahlen bereit ist. Die Übernahme der Postbank hatte die Deutsche Bank nach Berechnungen des Finanzdienstleisters Bloomberg insgesamt gut 6 Milliarden Euro gekostet - erzielt die Deutsche Bank jetzt einen zu geringen Verkaufspreis, müsste sie viel Geld abschreiben, was wiederum den Gewinn in den Keller drücken würde. Nach zwei Jahren mit Milliardenverlusten wäre das den Aktionären kaum zu vermitteln.

Zum anderen hat sich der Aktienkurs der Deutschen Bank seit seinem Rekordtief im Herbst vergangenen Jahres deutlich erholt. Damals kostete ein Anteilsschein an Deutschlands größter Bank nicht mal mehr 10 Euro - das war weniger als zu Zeiten der Finanzkrise. Seitdem hat sich der Kurs annähernd verdoppelt. Damit lohnt sich eine Kapitalerhöhung wieder. Abnehmer für die neu auszugebenden Aktien dürfte es geben: So wird dem Großaktionär Katar nachgesagt, er werde bei einer Kapitalerhöhung mitziehen. Auch der erst kürzlich groß eingestiegene chinesische Mischkonzern HNA hatte angedeutet, seinen Anteil aufstocken zu wollen.

Frisches Kapital kann die Deutsche Bank gut gebrauchen, um die Eingliederung der Postbank zu stemmen. Ein teilweiser Börsengang der Vermögensverwaltung Deutsche Asset Management würde ebenfalls frisches Geld in die Kasse spülen. Über diese Schritte wurde seit Monaten spekuliert.

„Im Vergleich zu den Wettbewerbern ist die Deutsche Bank eher schwach kapitalisiert“, meint etwa Ingo Speich, Fondsmanager bei Union Investment. Die Rechtsstreitigkeiten hätten viel Geld und Vertrauen gekostet.

Alleine die kurz vor Weihnachten erreichte Einigung mit der US-Justiz im Verfahren um dubiose Hypothekengeschäfte aus Zeiten vor der Finanzkrise 2007/2008 war satte 7,2 Milliarden Dollar schwer. Der Deutschen Bank war es zwar trotzdem gelungen, die harte Kernkapitalquote - eine entscheidende Kennziffer - zum Jahresende auf 11,9 Prozent zu steigern. Cryan will jedoch bis Ende 2018 mindestens 12,5 Prozent erreichen. Kernkapital ist ein Puffer für Krisen - nach den Erfahrungen der Finanzkrise drängen die Aufsichtsbehörden auf dicke Polster.

„Die Kapitalerhöhung ist ein richtiger und logischer nächster Schritt, um die Bank neu auszurichten und das Geschäft wieder nach vorne zu bringen“, sagte Speich. Die möglichen Maßnahmen seien ein wichtiges Signal für den Kapitalmarkt, dass die Bank sich nach Jahren der Vergangenheitsbewältigung wieder stärker der Zukunft und dem Kunden zuwendet.

Wie wichtig eine solide Kapitalausstattung für die Deutsche Bank ist, zeigte sich im Herbst. Am einbrechenden Aktienkurs war das schwindende Vertrauen der Investoren in den Frankfurter Finanzkonzern deutlich abzulesen. Die Bundesregierung sah sich sogar gezwungen, die Vorbereitung einer staatlichen Rettung zu dementieren.

Die Unsicherheit verschreckte auch so manchen Kunden - vielen Marktteilnehmern steckt noch der Schock nach dem Zusammenbruch der US-Investmentbank Lehman Brothers 2008 in den Knochen. Deutsche-Bank-Chef Cryan betonte zwar bei der jüngsten Bilanzvorlage, dass die Kunden zurückkämen. Doch gleichzeitig sieht er offenbar die Notwendigkeit, die Bank am Markt agiler aufzustellen: Nach unbestätigten Medienberichten soll das zwischenzeitlich in ein Handels- und ein Beratungsgeschäft aufgespaltene Investmentbanking wieder zusammengelegt werden. Die neue Einheit soll demnach von Finanzvorstand Marcus Schenck und dem fürs Kapitalmarktgeschäft zuständigen Garth Ritchie gemeinsam geführt werden.

Entschieden sei jedoch noch nichts, betonte die Deutsche Bank in ihrer Mitteilung: „Diese Schritte sind abhängig vom Marktumfeld und der Zustimmung des Vorstands und des Aufsichtsrats. Bislang sind keine Entscheidungen getroffen.“

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