Navigation überspringen
nordwest-zeitung
Abo-Angebote ePaper Newsletter App Prospekte Jobs Immo Trauer Shop

Start-Up „papa Türk“ Aus Bremen Frischer Atem durch frische Ideen

Sascha Sebastian Rühl

Bremen - Chlorophyll – was die meisten Menschen noch als grünen Farbstoff aus dem Biounterricht kennen, ist der Grundbaustein für den Erfolg der Bremer Marke „Papa Türk“. „Durch den hohen Anteil von Brennnesseln, Luzerne und Gräsern neutralisiert das Getränk schlechten Atem und Körpergerüche“, erklärt Roman Will, der das Unternehmen mit Jan Plewinski gegründet hat.

Angefangen hat alles vor gut drei Jahren, als die beiden Freunde ein Getränk zum beliebtesten Fast-Food der Nation entwickeln wollten: dem Döner-Kebab. „Wir wollten nicht nur, dass es lecker schmeckt, sondern mit frischem Atem noch einen Zusatznutzen bekommt. Mit dem Knutschen nach dem Döner wird es bekanntlich schwer“, erinnert sich Roman Will. Die Freunde suchten nach Hausmitteln und wurden fündig in Marokko, wo nach einigen Gerichten Petersilie gekaut wird. „Wir haben dann Chlorophyll-Tabletten zerstampft und dann gemischt. Die Mitbewohnerinnen in der WG mussten dann für Tests herhalten.“

Als das Rezept mithilfe einer auf Lebensmittel spezialisierten Hochschule gefunden war, wurden die ersten 600 Flaschen noch selbst verkorkt – dann begann der Verkaufstest in Bremen und Hamburg.

Knobi-Killer läuft gut

Heute sitzen Roman Will und Geschäftspartner Jonas Deitmer in ihren Büroräumen in Bremen. Die Marke Papa Türk, geschmückt mit dem Bild ihres Lieblings-Döner-Verkäufers, hat sich inzwischen in ganz Deutschland verbreitet und auch in fünf weiteren Ländern gibt es die Brause zu kaufen.

Das Sortiment ist inzwischen um eine Cola-Variation und Getränke mit Shisha-Geschmack erweitert worden. „Cola fliegt jetzt raus und wird ersetzt durch eine weitere Shisha-Sorte: Maracuja-Melone-Himbeere“, erzählt Jonas Deitmer. „Alle Getränke haben diese Knobi-Killer-Funktion.“ Noch über Stunden nach dem Verzehr soll schlechter Atem neutralisiert werden, zurück bleibt nur ein leichter Nachgeschmack von Limette.


Vor allem an Verkäufen in der Gastronomie verdienen die drei Geschäftsführer. „Da können sich die Kunden eher vom Zusatznutzen überzeugen – da gibt es die Auswahl zwischen zehn Getränken und nicht zwischen 200 wie im Supermarkt“, erzählen Will und Deitmer. Die belieferten Döner-Restaurants seien vor allem im Norden zu finden, wo Aquise betrieben werde. Mit Edeka, Combi, Inkoop und bald auch Real erfolge der Verkauf im Laden auch überregional. Die Ausbreitung in der Gastronomie dauere länger als im Supermarkt, „die Restaurants sind ja dezentral organisiert“.

Einen großen Schub bekam das junge Unternehmen, als die Gründer 2016 in der TV-Show „Höhle der Löwen“ mit Ralf Dümmel von DS-Produkte einen Investor von sich überzeugen konnten. „Zum einen war die Werbewirkung riesig. Zum anderen wurde uns bei der Qualitätskontrolle, beim Rezept und im Handel geholfen.“

„Von unserer ersten Million und großen Gehältern sind wir noch weit entfernt“, weiß Roman Will. Alle Gewinne würden reinvestiert, Ziel sei ein gutes stetiges Geschäft. „Das dauert seine Jahre. Fritz Kola gibt es auch schon seit 2003 und erst seit fünf bis sechs Jahren hat man die wirklich auf dem Schirm“, vergleicht Jonas Deitmer die Unternehmen.

Das gesammelte Wissen rund um Chlorophyll soll weiter den Erfolg garantieren. „Keiner weiß mehr darüber, als wir. Das ist schwierig zu verarbeiten und wir konnten uns die Verarbeitung patentieren lassen.“ Man sei einfach ins kalte Wasser gesprungen und habe sich in die Materie „eingefuchst“.

Innovation gefragt

Stets neue Innovationen einzubringen sei wichtig. Länger sei an Lutschbonbons gearbeitet worden. „Durch das Chlorophyll hat es bei längerem Lutschen grüne Mundräume gegeben“, erinnert sich Will. „Deswegen bringen wir jetzt Fruchtgummis in Colaflaschen-Form auf den Markt, die Wirken besser, weil sie schneller im Magen landen“, erläutert Jonas Deitmer. Produktzyklen seien heute sehr kurz, es müsse stets was Neues kommen, „das einen neuen Anreiz zum Kauf gibt“.

Papa Türk sitzt in Bremen, produziert werden Flaschen bei Chemnitz, Dosen bei Aachen und die Fruchtgummis werden aus Hamburg kommen. „Wir wollen so weitermachen. In acht Wochen planen wir ein Crowd-Investment. Wir haben Bock, so eine Crowd zu begeistern und ihr die Möglichkeit zu geben, sich die Rendite zurück zu holen“, freut sich Roman Will. Auch Jonas Deitmer ist entschlossen: „Wir müssen so weitermachen und noch viel tun.“

Themen