Nordenham - „Einen so langen und strengen Winter mit so viel Ostwind hatten wir noch nicht. Zwei bis vier Wochen später als sonst konnten wir loslegen.“ Das sagt Wilfried den Dulk (74). Er ist seit 50 Jahren Kleingärtner in Nordenhams ältester Anlage: Naturglück. Das schmucke, 77 000 Quadratmeter umfassende Areal in der Innenstadt ist 1921 geschaffen worden.
Den verspäteten Start der Gartensaison 2013 fanden Ingrid Meenen (75) und ihr Ehemann Gerold (77), die seit 1995 Kleingärtner sind, gar nicht so schlecht – „weil wir zuvor im Türkei-Urlaub waren und so gleich nach der Rückkehr loslegen konnten.“
Krokus-Blüte
Sie freuten sich zudem: „So haben wir im Unterschied zu den Vorjahren, in denen wir ebenfalls im März in
Urlaub waren, die Krokusse in unserem Garten noch blühend gesehen.“
Ebenso wie Wilfried den Dulk sind Ingrid und Gerold Meenen nicht nur froh, endlich wieder im Garten an der frischen Luft aktiv sein zu können. Sie schätzen auch die Gemeinschaft in der Kleingartenanlage. Auf die Ernte werde der lange Winter keinen negativen Einfluss haben. „Die Natur holt das nach, wenn es jetzt schnell warm wird und zwischendurch der nötige Regen fällt.“ Am besten, so schmunzeln sie, seien Regenfälle in der Zeit von 22 Uhr am Abend bis um 5 Uhr in der Frühe.
Die Saison hat bei Naturglück offiziell mit der Wiederinbetriebnahme des Wasserleitungsnetzes begonnen. Das war am 13. April und damit zwei Wochen später als in den Vorjahren.
„Seither herrscht Aufbruchstimmung. Das ist bei uns Kleingärtnern ähnlich wie bei den Campern, die rauswollen oder den Seglern, die der neuen Saison entgegenfiebern“, sagt Hergen Vogt (63). Der kaufmännische Angestellte ist seit siebeneinhalb Jahren Kleingärtner und seit sechs Jahren Vereinsvorsitzender. Trotz des langen Winters erwartet er ein relativ normales Gartenjahr 2013. Bedauerlich sei aber, dass das Naturglück-Frühlingsfest habe ausfallen müssen.
Zudem haben seinen Angaben zufolge unter dem strengen Winter die Wege gelitten. Der Verein benötigt dringend neue Schlacke – etwa 25 bis 30 Tonnen. Während der jetzt wieder begonnenen wöchentlichen gemeinschaftlichen Arbeitsdienste sollen die Wege auch gesäubert werden. Zudem müssen überstehende Bäume beschnitten, Gräben aufgereinigt und die Grünanlagen um das Vereinsheim ebenso auf Vordermann gebracht werden wie das Vereinsheim selbst.
In der Anlage von Naturglück mit zurzeit rund 100 Gärten wird noch immer viel Obst und Gemüse angebaut. „Aber der Trend geht auch bei uns zum Erholungsgarten“, berichtet der Vorsitzende.
Probleme bereitet die Überalterung. Von den rund 130 Naturglück-Mitgliedern sind rund 100 aktiv, von denen nur etwa 20 unter 40 Jahre alt sind.
Keine Schäden
Wilfried den Dulk freut sich, dass der strenge Winter in seinem Garten keine Schäden hinterlassen hat. Er hat jetzt Kartoffeln, große Bohnen und Grünkohl (für seine Kaninchen) gepflanzt.
Ingrid und Gerold Meenen haben Stuttgarter Riesenzwiebeln gesetzt, große Bohnen gepflanzt, Wurzeln und Rote Beete gesät und Frühkartoffeln gepflanzt.
Als ältere Kleingärtner bedauern sie ein wenig, dass der Trend immer mehr zum Erholungsgarten geht und dass so wenig junge Leute in der Naturglück-Anlage aktiv werden.
Immerhin werden aber noch etwa 60 000 der 77 000 Quadratmeter großen Anlage als Kleingärten (100 Parzellen) genutzt. „Das sind etwa 80 Prozent der Gesamtfläche und damit stehen wir noch relativ gut da“, sagt Vorsitzender Hergen Vogt.
