Oldenburg - Für die neuen Krokusse im Schlossgarten ist Frühling. Die Keime ragen schon einige Zentimeter weit aus den Zwiebeln heraus, die in diesen Tagen auf den Grünflächen im Park gesetzt werden. „Da heißt es, vorsichtig mit den Zwiebeln umzugehen, sonst brechen die Keime ab, und der Krokus ist zerstört“, weiß Schlossgartenchefin Trixi Stalling.

Auch ansonsten treibt die für einen November rekordverdächtig warme Witterung im Schlossgarten ihre Blüten. Die winterblühende Kamelie am Tropenhaus etwa hat ihre Farbenpracht schon jetzt entfaltet, vier Wochen früher als üblich. „Auch der Rasen muss nochmals gemäht werden, wenn das Laub zusammengeharkt ist“, sagt sie. In den Beeten blühen die Sommerblumen, die in anderen Jahren schon längst erfroren waren. Doch so kalt ist es noch nicht geworden.

Das bestätigt auch das Wetterkontor in Ingelheim. Der November liegt bisher um 5,1 Grad über dem jährlichen Mittelwert. Und so ist es kein Wunder, dass Pullover, Schal, Handschuhe und Mützen einstweilen noch in den Schränken bleiben können. Tagsüber erreicht das Thermometer Werte von mehr als 15 Grad, nachts wird es nur unmerklich kühler. So wie beispielsweise in der Nacht zum vergangenen Sonnabend, als minimal 14,9 Grad gemessen wurden. Die Durchschnittstemperatur für den November liegt bisher bei 10,1 Grad. Viel kälter war es demgegenüber im November 1993, als durchschnittlich 1,1 Grad gemessen wurden.

Grund für das ungewöhnliche Wetter ist eine südwestliche Luftströmung, die warme Luftmassen aus dem Mittelmeerraum nach Deutschland schaufelt. „In den nächsten Tagen geht es zwar weiterhin mild weiter. Insgesamt gehen die Temperaturen aber ein klein wenig zurück. Ein Wintereinbruch ist bis mindestens zum 20. November aber nicht zu erwarten“, schreibt das Wetterkontor.

Für die Natur bleibt der warme November ohne Folgen, prophezeit Trixi Stalling. Ihre Gärtner lassen ohnehin die Sommerblumen so lange stehen, bis sie verblüht oder erfroren sind. „Und außerdem hat verwelktes braunes Eisenkraut durchaus seine Reize. Besonders, wenn sich Raureif über die Pflanze legt.“


Auch die Kübelpflanzen, die sonst zu dieser Jahreszeit längst hereingeholt wurden, stehen noch draußen. Das Mammutblatt (Gunnera manicata) steht noch ohne Abdeckung im Rosengarten. Es stammt ursprünglich aus den Gebirgssümpfen und Nebelwäldern der Serra do Mar im südlichen Brasilien und dürfte sich zurzeit im warmen Oldenburg sehr wohl fühlen.

Thomas Husmann
Thomas Husmann Redaktion Oldenburg