Neerstedt/Haidhäuser - Es ist reichlich Lesestoff, der seit Montag im Neerstedter Rathaus und Wildeshauser Kreishaus öffentlich ausliegt. Fünf Aktenordner sind es mit den Anlagen nach dem Bundes-Immissionsschutzgesetz und dem Gesetz über die Umweltverträglichkeitsprüfung. Hinter dem Bürokratendeutsch verbirgt sich eines der ambitioniertesten und auch umstrittensten Projekte in der Gemeinde Dötlingen: der Bau des Windparks in Haidhäuser/Uhlhorn.
Die ersten Bürgerinnen und Bürger seien schon im Neerstedter Rathaus gewesen und haben die Unterlagen studiert, so Bauamtsleiter Uwe Kläner auf Nachfrage. Angesichts der sehr umfangreichen Unterlagen, einschließlich aller Zeichnungen und Gutachten, kann das stundenlang dauern.
Dieses Interesse an der öffentlichen Auslegung im Neerstedter Rathaus war zu erwarten gewesen: Seit dem Bekanntwerden der Pläne der Volksbank Wildeshauser Geest im März 2013 war der Windpark ein großes Thema gewesen. Besonders die Anlieger wehrten sich gegen die Ausweisung der Fläche.
Inzwischen hat die Volksbank die VR Energieprojekte Dötlingen GmbH mit Sitz in der Neerstedter Volksbank gegründet. Sie treibt das millionenschwere Projekt voran, bei dem es um Bau und Betrieb von elf Windrädern geht. Daran sollen sich die Bürger direkt beteiligen können: Die Hälfte der Anlage ist als Bürgerwindpark konzipiert. Darauf hatte die Dötlinger Politik von Beginn an bestanden.
Im Frühjahr 2013 bildete sich rasch die Initiative „Wind mit Vernunft – Lebensqualität für alle“, die den Windpark an dieser Stelle entschieden ablehnt, unter anderem mit Verweis auf gesundheitliche und ökologische Punkte sowie den befürchteten Wertverlust der angrenzenden Immobilien.
Im September 2013 überreichte die Initiative an den damaligen Bürgermeister Heino Pauka einen weißen Aktenordner mit 844 Unterschriften von Bürgerinnen und Bürgern, die das Vorhaben ablehnten. Sie kamen insbesondere aus den umliegenden Ortschaften Uhlhorn, Haidhäuser, Klattenhof, Barel und Brettorf, aber auch aus anderen Orten.
Ein halbes Jahr später, im Frühjahr 2014, beschloss der Gemeinderat gleichwohl mit deutlicher Mehrheit die notwendige Änderung des Flächennutzungsplans, in der das Areal für den Windpark ausgewiesen wurde.
Auf dieser Grundlage folgte im November 2014 der Bauantrag der VR Energieprojekte Dötlingen GmbH, der seitdem im Wildeshauser Kreishaus als zuständiger Baubehörde bearbeitet wird. Dazu gehört die jetzt laufende öffentliche Auslegung, die auf Wunsch des Projektträgers erfolgt.
Laut Mitteilung des Landkreises sollen die Anlagen auf dem 162 Hektar großen Areal sofort „nach Erteilung der Genehmigung errichtet und in Betrieb genommen werden“. Im Zuge des jetzigen Verfahrens war nach Auskunft der Kreisverwaltung durch eine „Vorprüfung des Einzelfalles“ zudem zu entscheiden, ob die Durchführung einer Umweltverträglichkeitsprüfung erforderlich ist. Dies sei nicht der Fall gewesen.
