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Naturschutz Für Bienen kein schönes Zuhause mehr

Christian Schöckel

Moorsee - Die Bienen zählen weltweit zu den wichtigsten Bestäubern und tragen so in erheblichem Maße dazu bei, dass Wild- und Kulturpflanzen erhalten bleiben. „Und sie liefern leckeren Honig. Allein um den Nektar für ein Glas zu sammeln, bringt eine Biene so viel an Flugleistung auf, als sei sie um den halben Erdball geflogen“, berichtete Henning Wessels am Sonnabend über seine große Leidenschaft, die Imkerei.

Anlass war ein Familientag in der Moorseer Mühle zum Thema „Wie helfen wir den Bienen in der Wesermarsch?“ Der Vorsitzende des Imkervereins Jade-Weser informierte in einem etwa einstündigen Vortrag vor 60 Gästen im Vortragsraum des Mühlenmuseums über „Das Volk und seine Königin.“

Nicht nur kurz schneiden

Anschließend sprach der Gärtner- und Imkermeister Hermann Hüsers vom Landesverband der Imker Weser-Ems über Blühstreifen und Blumenwiesen als Lebensraum der Bienen, beschrieb Missstände, gab Tipps, wie Landwirte, Kommunen und Privatleute neue, für Bienen attraktive Flächen schaffen könnten und geißelte das Bemühen, die Pflanzungen in Gärten, Parkanlagen und an Bermen immer schier zu halten. Hüsers: „Es ergibt keinen Sinn, alles kurz zu schneiden, nur weil die Baumärkte die Maschinen dazu anbieten.“

Andererseits: Wer Pflanzen einfach wachsen lässt, erhält nicht automatisch Artenvielfalt. Auf das richtige Augenmaß komme es an: „Einerseits müssen wir die Spontanvegetation dulden, andererseits müssen Flächen zum richtigen Zeitpunkt auch gemäht werden. “

In einem waren sich Wessels und Hüsers einig: Die Wesermarsch ist für Bienen heute kein schönes Zuhause mehr. Jeder sei deshalb gefordert, hier entgegenzuwirken. Genau das lag auch der Idee für den Familientag in der Moorseer Mühle zugrunde, der vom CDU-Kreisverband und seinem Vorsitzenden Björn Thümler (MdL) initiiert und in Zusammenarbeit mit dem Museumsteam und den Imkern ausgerichtet wurde. An die beiden Vorträge „indoor“ schloss sich eine Podiumsdiskussion des guten Wetters wegen draußen in den Museumsgarten an. Am Podiumstisch standen neben Henning Wessels auch Diplom-Agraringenieur Timo Eiler von der Landwirtschaftskammer und Tammo Meents als Kreisjägermeister dem Moderator Lutz Timmermann Rede und Antwort. Eiler erinnerte daran, dass die Wesermarsch ein „klassisches Milchvieh-Cluster“ mit „86 Prozent weidegrasreichen Grasbeständen“ sei, ausgerichtet darauf, ausreichend Grundfutter fürs Milchvieh zu erzeugen. Es gebe durchaus Ansätze, in der Ansaat Weiß- und Rotklee zu integrieren, doch die seit Jahren diskutierte Novellierung der Düngeverordnung bremse dies massiv.


Wessels bemängelte, dass die Schnittintervalle der Landwirte immer kürzer würden und der Boden zu häufig mit dem Ziel umgebrochen werde, ihn zu optimieren. „Die Wesermarsch hat sich so in den vergangenen Jahrzehnten grundlegend verändert. Wir Imker würden uns einiges mehr an Rücksicht wünschen, sehen andererseits aber auch die Zwänge.“ So müsse sich die Gesellschaft ändern und beim Lebensmittelkauf nicht den billigen Preis an die oberste Stelle setzen.

Keine Frontstellung

Rebhühner und Fasane litten unter den gleichen Problemen wie die Bienen, stellte Tammo Meents fest, da es nicht mehr genügend Insekten gibt. Er sah allerdings keine Frontstellung zu den Landwirten, denn die betrieben durchaus Naturschutz, müssten aber auch ihre Familien ernähren. Vielmehr sieht er die Politik in der Pflicht.

Diesen Gedanken griff Björn Thümler spontan auf: Die CDU werde zur nächsten Kreistagssitzung den Antrag einbringen, Blühstreifen an den Kreisstraßen einzurichten. Ein erster Schritt, der nicht viel koste.

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