Nordenham - Die einen freuen sich über die Vogelgeräusche und die damit verbundene Nähe zur Natur. Die anderen gehen an die Decke, wenn die Krähen ihr Gekrächze anstimmen und der Nachtruhe ein jähes Ende setzen. Im Spannungsfeld zwischen diesen gegensätzlichen Positionen musste die Stadt Nordenham eine Lösung finden, als sich immer mehr Bürger über nervenzerrenden Rabenradau beschwerten und Gegenmaßnahmen forderten. Jetzt glauben die Verantwortlichen im Rathaus einen Weg gefunden zu haben. Sie wollen mit gezielten Baumfällungen und -rückschnitten dafür sorgen, dass die schwarzen Federtiere sich von ihren bisherigen Revieren in der Nähe von Wohngebieten fernhalten.

Wie der von der Verwaltung ausgetüftelte Abwehrplan gegen die Krähen aussieht, hat der Leiter des Amtes für Stadtentwicklung und Bauordnung, Peter Kania, am Mittwochabend in einer Sitzung des Umweltausschusses vorgestellt. Er betonte noch einmal, dass die Schallgutachter zweifelsfrei eine „unzumutbare Belastung der Anlieger“ aufgezeigt hätten. Damit bezog Peter Kania sich auf die Lärmimmissionsmessungen, die das Bremerhavener Ingenieurbüro TED im April, Mai und Juni vorgenommen hatte. Wie berichtet, wurden dabei nächtliche Dezibelwerte ermittelt, die zum Teil der Lärmkulisse eines Industriegebiets im Hochbetrieb entsprechen. Laut Peter Kania steigt in einigen Bereichen der Schallpegel von der leisesten zur lautesten Nachtstunde um das Zweihundertfache.

Weil Saatkrähen zu den besonders geschützten Tierarten gehören, ist es nur unter strengen Auflagen erlaubt, sie zu vertreiben. Daher muss sich die Stadt die geplanten Maßnahmen noch von der Unteren Naturschutzbehörde beim Landkreis Wesermarsch genehmigen lassen. Folgende Maßnahmen, deren Kosten sich auf insgesamt etwa 10 000 Euro belaufen, sind vorgesehen:In den Rabenkolonien am Ilseplatz und im Friedeburgpark will die Stadt die Nester entfernen lassen und teilweise die Baumkronen stutzen. Mit dem Kronenschnitt soll verhindert werden, dass die Krähen dort neue Nester bauen. Im Gateteiche-Park lassen sich die Krähen vor allem auf den Pappeln nieder. Elf große Pappeln im Bereich der Wohnhäuser am Plaatweg sollen noch in diesem Winter gefällt werden, so dass die Vögel dort keine Anflugpunkte mehr haben.Am östlichen Ende des Plaatwegs haben die Krähen ebenfalls ein Revier. Diesen Standort in Nähe des Rathauses und des Finanzamtes will die Stadt erhalten, um den vertriebenen Vögeln die Möglichkeit zu geben, sich dort neu anzusiedeln.

Die Mitglieder des Umweltausschusses haben den Vorschlägen der Verwaltung einmütig zugestimmt. Gegen die Anregung der SPD, die Krähen mit einer Lautsprecherbeschallung zu verscheuchen, führte Peter Kania an, dass diese Methode in städtischen Parkanlagen nicht geeignet sei. Denn damit wäre ebenfalls eine nicht zumutbare Lärmbelästigung für die Anwohner verbunden.

Norbert Hartfil
Norbert Hartfil Redaktion Nordenham (Leitung)