Nordenham - „Das werden wir toppen“, sagt Manfred Stenzel nicht ganz ohne Stolz. Schon zum siebten Mal werden er, Horst Saßerath, Alois Waurick und Günter Strauch am kommenden Sonntag anlässlich des Ochsenmarktes selbstgebaute Nistkästen und Futterhäuschen verkaufen. Mit dem Erlös wollen sie Menschen im westafrikanischen Mali helfen, einem der ärmsten Länder der Welt, in dem Hunger herrscht, in dem zwei Drittel der Bevölkerung unterhalb der nationalen Armutsgrenze lebt. Und die vier sind sich sicher: „Die Aktion wird noch einen Deut erfolgreicher als die Aktionen zuvor.“
Vor elf Jahren starteten sie ihr Vogelhaus-Projekt, damals auf Bitten des damaligen Vorsitzenden des Vereins Brücke Nordenham-Kayes, Peter Dirichs. Ihre 40 Kästen fanden sofort reißenden Absatz. Seither sind die vier Bastler nahezu im Zwei-Jahres-Rhythmus und im Namen der Nordenhamer Kolpingfamilie beim Ochsenmarkt immer wieder mit ihren schmucken Unikaten präsent – diesmal gar schon mit 35 Nistkästen und 45 Futterhäuschen.
Um den Absatz machen sie sich derweil kein Kopfzerbrechen: „Die werden wir reißend los. Wir haben auch bereits viele Vorbestellungen. Beim letzten Mal sollten wir sogar schon aus dem Kofferraum heraus verkaufen.“
Keine Preiserhöhung
Die Preise von damals – 25 Euro für ein Futterhäuschen, 20 für einen Nistkasten – sind geblieben, die Konstruktionen allerdings wurden von Generation zu Generation immer ausgeklügelter und lassen inzwischen längst so manches industriell produzierte Teil alt aussehen.
Diesmal beispielsweise wurde erstmals mitten ins beidseitig nutzbare Häuschen ein Holzkeil eingesetzt, damit das Futter besser in die Rinne rutscht. Das Dach wurde verlängert – nicht nur, damit die Körner trocken bleiben, sondern damit auch kleine Tauben kaum noch eine Chance haben, ans Futter heranzukommen. Und eine Plexiglasscheibe lässt ab sofort jederzeit den Blick auf den Körnerstand zu.
„Über 1000 vollverzinkte Schrauben verarbeiteten wir hier. Und natürlich sind alle Scharniere aus Nirosta-Stahl“, erzählt Manfred Stenzel.
Über 80 Arbeitsstunden habe allein er seit Projektbeginn Ende Juni investiert. Wie viele Stunden die anderen drei geleistet haben, wisse er nicht. „Es waren aber bestimmt genauso viele. Oder sogar mehr,“ sagt er.
Gearbeitet übrigens wurde arbeitsteilig. Bei den Stenzels im Keller wurde schließlich nur alles montiert. Die Werkmaterialien spendeten Nordenhamer Firmen, wie das Reisebüro Ahlers, die OLB, die Zimmerei Stüdemann, das Bauunternehmen Aissen, die Holzhandlung Thaden sowie Jörg und Sandra Albers.
Der Erlös der Verkaufsaktion am Ochsenmarkt-Stand Ecke Marktstraße/ Marktpassage kann also zu 100 Prozent dem Mali-Projekt zu Gute kommen. Und dieser Erlös wird beachtlich sein. „In den letzten elf Jahren,“ so rechnet Peter Dirichs vor, „nahmen Manfred Stenzel, Horst Saßerath, Alois Waurick und Günter Strauch insgesamt 9280 Euro ein. Das reicht für den Neubau einer Schule in Mali.“
Viele Projekte in Mali
Dies sei natürlich nur ein Zahlenbeispiel, denn der Verein Brücke Nordenham-Kayes begreife die Förderung von Bildung nur als einen Teil seiner Aufgabe, das Geld fließe in vielerlei Projekte vor Ort.
So finanzierte der Verein mittlerweile neben neun Schulen auch schon 10 Gesundheitszentren sowie den Bau diverser Tiefbrunnen – Brunnen, die zum Teil über 100 Meter tief gebohrt werden mussten.
Um nicht nur Nistkästen und Futterhäuschen zu verkaufen, sondern auch, um mit den Kunden ins Gespräch zu kommen, wird am Ochsenmarkt-Stand der Kolpingsfamilie zudem frisch gepresster Apfelsaft serviert – gespendet vom Naturschutzverein – sowie ein „Mali-Punsch“, pur oder auf Wunsch auch mit einem Schuss Calvados. Manfred Stenzel sagt: „Wenn‘s draußen herbstlich frisch ist, schmeckt der echt lecker.“
