Varel - In Varel wird es wahrscheinlich keine neue Jugendwerkstatt geben. Die N-Bank wird nämlich in Zukunft keine neuen Jugendwerkstätten bezuschussen. Das erklärte Carmen Giss, die Leiterin des Job-Centers Friesland, am Mittwochabend im Ausschuss für Jugend, Familie und Soziales der Stadt Varel. Sie machte gleichzeitig deutlich, dass die Jugendwerkstatt in Schortens junge Leute bis 25 Jahren aus dem ganzen Landkreis Friesland betreut und die meiste Zeit des Jahres nicht ausgelastet ist. „Wir denken nicht über eine Jugendwerkstatt in Varel nach.“ Die Jugendwerkstatt Schortens mit 16 Plätzen befindet sich in Trägerschaft der Volkshochschule Friesland-Wittmund.

Carmen Giss war ins Rathaus eingeladen worden, weil die MMW-Fraktion den Antrag gestellt hatte, in Varel wieder eine Jugendwerkstatt einzurichten. „Wir sehen den Bedarf für eine Jugendwerkstatt in Varel“, erklärte Steffen Schwärmer (MMW). In einem Gespräch in den Berufsbildenden Schulen in Varel habe sich herausgestellt, dass es dort in jedem Jahrgang fünf bis zehn junge Leute gebe, die noch schulpflichtig seien, aber nicht wirklich schulreif, jedoch eine intensive sozialpädagogische Betreuung bräuchten. Dafür sei eine Jugendwerkstatt, in der viel handwerklich gearbeitet werde, gut geeignet.

Nach Angaben von Giss gibt es in Varel 60 arbeitslose Jugendliche (bis 25 Jahre). „Das ist nicht viel, und nur ein kleiner Teil von ihnen braucht eine Betreuung.“ Das Jobcenter biete verschiedene Projekte für Jugendliche mit unterschiedlichen Stärken und Schwächen an. Alle seien in Projekten untergebracht. In Varel funktioniere der Abbau der Jugendarbeitslosigkeit besser als in Jever.

Zum Programm der Jugendwerkstatt Schortens gehört laut Giss auch ein betriebliches Praktikum von bis zu zwölf Wochen, um die Jugendlichen vielleicht auf diesem Wege in eine Ausbildung zu bringen. Im Übrigen gehöre auch ein Mobilitätstraining dazu. Von daher sei es durchaus gewollt, dass junge Leute den Weg von Varel nach Schortens hinter sich bringen. Seit drei Monaten arbeitet für das Jobcenter eine Sozialarbeiterin, die die jungen Leute zu Hause aufsucht, wenn sie längere Zeit nicht in einem der Projekte erschienenen sind. „Das Netz ist inzwischen eng gestrickt“, so Giss.

Ratsherr Rudi Böcker (BBV) lobte die früheren Jugendwerkstätten in Varel und der Friesischen Wehde in höchsten Tönen, musste sich aber von Carmen Giss sagen lassen, dass diese einstigen Werkstätten mit heute nicht mehr zu vergleichen seien. Die Qualitätsansprüche an den Träger seien ungleich höher. Ohne Zertifizierung gehe da nichts. So eine Werkstatt könne nicht mal eben nach Varel verlegt werden.


Am Ende war sich der Sozialausschuss einig, dass es nicht reiche, nur mit dem Jobcenter über die sozialpädagogische Betreuung von Jugendlichen zu sprechen, sondern möglichst alle Beteiligten an einen Tisch zu holen, um den genauen Bedarf zu ermitteln. In der nächsten Sitzung soll daher BBS-Leiter Peter Marx eingeladen werden.

Christoph Koopmeiners Redaktion Cloppenburg