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NWZonline.de Nachrichten Wirtschaft

Für viele Betriebe geht es um die Wurst

11.04.2017

Osnabrück /Oldenburg Vielen Oldenburgern hat diese Nachricht die Mittagspause erstmal verdorben: Monse macht dicht. Vor fast genau zwei Jahren schloss der Familienbetrieb an der Mottenstraße nach 55 Jahren seine Türen. „Das Liebste wäre uns gewesen, wenn wir den Betrieb hätten weitergeben können“, sagte damals Alexandra Monse, die den Betrieb mit ihrem Bruder Andreas Monse und Helge Ehlers-Monse führte.

Doch es fand sich kein Nachfolger, niemand, der den florierenden Betrieb übernehmen wollte. Das ist kein Einzelfall. „Die Mehrheit der Betriebe schließt, weil es keinen Nachfolger gibt. Dabei geht es ihnen wirtschaftlich nicht schlecht. Die Betriebe, die weitermachen, vergrößern sich deswegen“, sagt Gero Jentzsch, Sprecher des Deutschen Fleischer-Verbandes.

Jahrelange Entwicklung

Es ist eine Entwicklung, die sich seit einigen Jahren zeigt, so auch im Oldenburger Land. Im Bezirk der Handwerkskammer Oldenburg gab es im Jahr 2011 noch 184 Betriebe, 2016 waren es nur noch 153. Bundesweit ist die Zahl der Betriebe laut Geschäftsbericht des Fleischer-Verbandes von 17 600 im Jahr 2005 auf 13 100 im Jahr 2015 zurückgegangen. Reduziert hat sich zudem die Zahl der Mitarbeiter im gleichen Zeitraum von 160 000 um 20 000, während der durchschnittliche Umsatz pro Betrieb von 870 000 auf 1 231 000 Euro stieg.

Es gibt immer weniger Fachpersonal – denn die Zahl der Auszubildenden geht seit Jahren zurück. Ende der 1990er Jahre gab es bundesweit noch gut 10 000 Auszubildende zum Fleischer, im Jahr 2015 waren es nur noch 3170.

Nicht anders ist das in Norddeutschland. Im Oldenburger Kammerbezirk hat sich die Zahl der Auszubildenden von 2011 bis 2016 nahezu halbiert – von 70 (2011) auf 37 (2016). In Niedersachsen beispielsweise hat sich die Zahl der Azubis von 444 im Jahr 2014 um 18 Prozent auf 364 im Jahr 2015 reduziert. Wobei berücksichtigt werden muss, dass sich die Ausbildung im Laufe der Jahre verändert hat. Während es bis in die 2000er Jahre hinein eine einheitliche Ausbildung gab, wurde sie in den Jahren 2005 und 2006 gesplittet. Seither gibt es die Ausbildung zum Fleischerfachverkäufer und die zum Fleischer, die wiederum in fünf Fachrichtungen gegliedert ist. Ab dem zweiten Lehrjahr können sich junge Leute beispielsweise auf das Verpacken, das Herstellen küchenfertiger Feinkost oder auch das Schlachten spezialisieren.

„Sie müssen als Fleischer das Schlachten heute nicht mehr lernen“, sagt Jentzsch, und weiter: „Mit klassischen Handwerksberufen haben Sie schlechte Karten, sie gelten als altmodisch.“ Jentzsch erklärt den Rückgang der Azubis aber auch mit der Entwicklung der Alterspyramide. „Es gibt immer weniger Jugendliche, also auch immer weniger Menschen, die eine Ausbildung machen.“ Hinzu kommt die Tendenz, dass immer mehr Jugendliche sich für ein Studium entscheiden und keine Ausbildung mehr machen möchten. „Ganz Deutschland hat einen Nachwuchsmangel, selbst die großen und beliebten Unternehmen“, sagt Jentzsch.

Viele Fleischer beklagen zudem, dass ihr Handwerk weniger wertgeschätzt wird als früher. Wie kann das sein, gibt es doch inzwischen einen Trend zum Handgefertigten, beispielsweise Bier aus kleinen Brauereien zu kaufen oder auch das Fleisch beim Schlachter um die Ecke – dem mancher nach diversen Lebensmittelskandalen mehr vertraut als den Großbetrieben.

Wissen geht verloren

„Manche Betriebe nutzen diese Welle“, so Jentzsch. Handwerk lebe von der Individualität der kleinen Betriebe, meint er. „Mit jedem Betrieb, der schließt, geht auch Wissen verloren.“ Aber er sagt auch: „Fragen Sie mal einen der Kunden, ob er möchte, dass sein Kind dort eine Ausbildung macht. Die Mehrheit wird Ihnen sagen: „Nein“, ist sich der Sprecher des Fleischer-Verbandes sicher. Aber: „Jugendliche, die einen Handwerksberuf kennenlernen, finden den oft total spannend. Und es gibt junge Leute, die werden aus Coolnessgründen Fleischer.“

Greta Block Volontärin / NWZ-Redaktion
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