Schlutter - Als Rainer Vosteen vor zehn Jahren seinen 40. Geburtstag feierte, da tat er das in recht rustikaler Umgebung. Gemeinsam mit seinem Vater Rudolf hatte er gerade auf dem Anwesen der Familie an der Schützenstraße 26 eine eigentlich abgängige alte Scheune restauriert. Noch war der Boden aus Beton, noch war manches provisorisch eingerichtet. Die Feier war quasi Einweihung: Das „Heimatmuseum Schlutter“ war entstanden.
„Etwas fürs Dorf schaffen“, das war das Ziel von Rudolf Vosteen, als er zusammen mit seinem Sohn die Scheune sanierte, später um ein Backhaus erweiterte. Was hier zu finden ist, ist lokale Geschichte pur: Da haben Maschinen oder Werkzeuge verschiedener Gewerke und Industrien ihren Platz, Haushaltsgeräte, alte Bilder, Postkarten, Dokumente und, und, und.
Eine Sonderausstellung widmet sich der berühmtesten „Tochter“ von Hoyerswege – der Schlager- und Countrysängerin Renate Kern (1945 bis 1991). Fast alle ihre Platten sind vorhanden – und werden bei Gelegenheit aufgelegt.
Verborgene Schätze
Als das Museum vor zehn Jahren anlief, sei es im Vergleich zu heute noch recht leer gewesen, erinnert sich Rudolf Vosteen. Aber je bekannter es wurde, desto mehr Menschen hätten sich gemeldet und Tipps gegeben, wo denn noch verborgene Schätze schlummerten. Auch via Ebay und von Flohmärkten kam einiges hinzu.
„Besonders interessant“ findet es Rudolf Vosteen, wenn Gegenstände aus der unmittelbaren Umgebung auftauchen, bisweilen sogar von eigenen Vorfahren. Dann beginnt mitunter das Forschen.
Zum Beispiel beim Kartoffelsortierer „Hadeo“, auf den Rudolf Vosteen bei Herbert Mählenhoff in Adelheide gestoßen war. Hadeo wurde, so steht es auf der Maschine, einst von der Schmiede Würdemann verkauft – die sich früher an der Schützenstraße von Schlutter befand (heute: Familie Poetzsch). Nur: Würdemann hatte die Maschine nicht gebaut. Aber wer?
Weiter kamen die Vosteens durch ein Prospekt aus dem Jahr 1921, auf das sie durch Zufall stießen. „Hadeo“, so zeigte es, war ein Produkt von Diedrich Oekermann, Delmenhorst. Womit die nächste Frage auftauchte: Wo genau und von wann bis wann produzierte Oekermann?
Heimreise nach Schlutter
Ihren jüngsten „Fund“ entdeckten die Vosteens vor etwa zwei Wochen an der Annenheider Straße in Delmenhorst. Auch hier hatte eine Besucherin des Museums den Tipp gegeben. Unter anderem traten ein Rübenschneider von Weyhausen (Delmenhorst) und eine Dreschmaschine von Würdemann (Schlutter) die Reise nach Schlutter an. Beides sei wohl „so um 1900“ gebaut worden, schätzt Rudolf Vosteen. Jetzt gelte es zu sanieren – und vielleicht auch wieder zu forschen.
