Delmenhorst - Es rauscht, es piept, und Satzfetzen auf Englisch und unverständliche Kürzel sind zu hören. Vor seinem Funkgerät sitzt Michael Lau in seinem Haus in Delmenhorst. Für ihn sind die Satzfetzen und Kürzel kein Buch mit sieben Siegeln, er ist schon lange Amateurfunker. DF2BR, laut internationaler Buchstabiertafel Delta Foxtrott Two Bravo Romeo, ist sein Rufzeichen, damit ist er eindeutig im Funkverkehr identifizierbar.
Bei seinem Hobby hat er schon Kontakt mit Astronauten, Piloten und Forschern in der Antarktis aufgenommen. Seit seiner Jugend beschäftigt sich der 53-Jährige mit der Funktechnik. Er war elf, als er aus einem Bausatz sein erstes Radio zusammenbaute. „Ich habe die Spulen anders gewickelt und plötzlich ganz andere Sender empfangen“, erzählt er. Daraus wuchs seine Begeisterung für den Amateurfunk. Mittlerweile hat sie auf seine Frau, seine Tochter und sogar seinen Schwiegersohn übergegriffen.
Lau beschäftigt sich mit vielen Aspekten des Funkens: Neben einem Mikro zum Sprechfunk hat er eine Vorrichtung zum Morsen auf seinem Schreibtisch stehen, auf seinem Computer laufen Zahlen- und Buchstabenkolonnen runter.
Seltsames Wummern
„Das ist das Funkschreiben“, erläutert er. „Das kann man hier hören“, sagt er und dreht an dem Frequenzregler seines Funkgeräts, der Lautsprecher gibt seltsam wimmernde, anhaltende Pieptöne von sich, ein Laptop auf dem Schreibtisch rechnet die Signale in Buchstaben und Zahlen um.
Lau begeistert sich vor allem für Wettbewerbe, bei denen man Kontakt mit Amateurfunkstationen in anderen Ländern oder Kontinenten aufnehmen muss. DF2BR CQ Japan, heißt beispielsweise der Ruf nach Funkamateuren in Japan. CQ steht für das englische „seek you“ (suche dich). Die Abkürzung wird vor allem beim Funkfernschreiben verwendet, beim Sprechfunk ist sie nicht wirklich nötig. Amateurfunker, die in Japan vor ihren Geräten sitzen, sind dann aufgerufen, dem Funker zu antworten.
„Zu beachten ist bei Wettbewerben, dass manche Frequenzen tags gut funktionieren, nachts aber nichts taugen“, sagt Lau. Es sei wichtig, den Wechsel gut abzupassen, um möglichst viele „Stationen zu arbeiten“, wie sich die Amateurfunker ausdrücken. Dabei kann manchmal ein Funkspruch, von der Atmosphäre und dem Erdboden reflektiert, auch wieder zum Funker zurückkehren, wobei er dann einmal um den Globus gewandert ist. Zwei bis drei Reflexionen sind bei guten Bedingungen nötig, um beispielsweise nach Australien zu funken, sagt Lau.
Meldet sich jemand, werden Daten ausgetauscht wie Standort, Antennenhöhe und die Signalstärke. „Ab dann kann man sich auch unterhalten, übers Wetter beispielsweise“, sagt Lau. „Das hängt aber auch davon ab, wie gut der andere Funker eine gemeinsame Sprache kann – und wie die Verbindung ist.“
Die Daten werden in ein Logbuch eingetragen, mit Zeit und Datum. Das ist wichtig, denn nur wenn beide Seiten den Kontakt bestätigen, bekommen die Wettbewerbsteilnehmer Punkte. „Durch das Internet ist das alles viel schneller geworden. Früher konnte es richtig lange gehen, bis ein Wettbewerb ausgewertet wurde. Zum Teil bis zu einem halben Jahr“, erzählt Lau. Außerdem tauschen die Amateurfunker Karten aus, die den Kontakt bestätigen, wenn eine Seite das wünscht. „Das gefällt vor allem meiner Frau“, erzählt Lau. „Sie sammelt diese Karten.“ Und auch dieser Austausch sei durch das Internet viel schneller geworden.
Wettbewerb auf Zeit
Bei den Wettbewerben bleibt den Funkern unterschiedlich viel Zeit. Manche dauern nur zwei Stunden, andere können zwei Tage dauern. Ein fester Termin für deutsche Amateurfunker ist der zweite Weihnachtsfeiertag von 10 bis 12 Uhr mitteleuropäischer Zeit – ansonsten gilt bei ihnen die Greenwich-Zeit, auf die sich alle Logbucheinträge beziehen. Dann geht es darum, mit so vielen Stationen in Deutschland wie möglich zu arbeiten.
Lau reist gern in andere Länder, auf einer Weltkarte hat er die Orte, an denen er schon war, mit Stecknadeln markiert. Fast immer mit im Gepäck: das Funkgerät. Im Ausland gibt Lau vor sein Funkkennzeichen noch das Länderzeichen, in dem er sich gerade aufhält.
Die häufigsten Sprachen im Amateurfunk sind Englisch, gefolgt von Russisch, erzählt Lau. Ein paar Wörter und Sätze auf Russisch, Spanisch und Italienisch hat sich Lau angeeignet, um mit anderen Funkern zu sprechen. „Englisch ist ja kein Problem“, sagt er.
Die Ausbildung zum Amateurfunker ist lang und schwierig, es ist viel technisches Wissen erforderlich, bis man seine eigene Kennung bekommt. Außerdem müssen Amateurfunker viele rechtliche Vorschriften beachten.
Viele bauen sich ihre eigene Antenne und reparieren ihre Funkgeräte selbst. Hilfe finden die Amateurfunker in Vereinen. Lau beispielsweise ist im Ortsverband Delmenhorst des Deutschen Amateur-Radio-Clubs.
„Es ist ein Hobby für Technikfans“, sagt Lau. Manche Firmen förderten das Hobby in Betriebssportgruppen, um so Neuentwicklungen zu testen. Lau hat auch schon mit einem Piloten gefunkt, der im Landeanflug auf Amsterdam war. „Einige Fluglinien erlauben das ihren Piloten, wenn die dafür Zeit haben“, erzählt Lau.
Kontakt ins All
Auch auf der Internationalen Raumstation ISS funken einige Amateurfunk-Astronauten. „Da ist aber meist so eine Schlange, dass man kaum durchkommt“, erzählt Lau. Anders habe es damals bei der russischen Raumstation Mir ausgesehen. Der Funkkontakt habe schnell geklappt. Das Problem bei den Satelliten ist, dass sie nur kurze Zeit erreichbar sind. Und man warten muss, bis die Amateurfunker der Reihe nach Kontakt aufgenommen haben. Mit einem Forscher in einer Antarktisstation hat Lau ebenfalls schon gesprochen.
„Gerade in der Einsamkeit dort ist der Kontakt mit der Außenwelt wichtig“, sagt Lau. Deswegen sei unter den Forschern dort fast immer auch ein Amateurfunker. „Mich fasziniert dieses Hobby einfach. Und wie andere sich nach der Arbeit vor den Fernseher, setze ich mich lieber vor mein Funkgerät“, sagt er.
