Wer die Birkenheider Straße in Ganderkesee entlang fährt, schaut automatisch auf das herrlich gepflegte Anwesen der Gärtnerei Melle. Vor fast genau drei Jahren starb der Inhaber Günter Melle, plötzlich und unerwartet. Da Tochter Carolin Melle noch mitten in ihrem Studium steckt, liegt die Verantwortung für die erfolgreiche Gärtnerei und einen der größten Heide-Produzenten Deutschlands in den Händen vom Betriebsleiter Cord Drücker und seinem Team.

Cord ist zusammen mit seinen beiden älteren Brüdern in Kühlingen aufgewachsen. Seine Eltern hatten eine kleine Landwirtschaft, und das Obst und Gemüse wurde auf dem Wochenmarkt in Bremen-Vegesack verkauft. Schon als kleiner Junge war Cord am liebsten draußen, um seinen Eltern im Garten zu helfen und sie dann auch zum Wochenmarkt zu begleiten. Die Landwirtschaft ist inzwischen aufgegeben. Der Verkauf auf dem Wochenmarkt ist geblieben. Noch heute steht Cord jeden Sonnabend um 2.30 Uhr auf, fährt mit seinem Vater zum Großmarkt und baut dann den Stand beim Wochenmarkt auf, bevor er zur Gärtnerei Melle fährt.

Die Schulzeit war für Cord Drücker eher ein notwendiges Übel. „Die Hausaufgaben habe ich eher notdürftig gemacht. Ich wollte schnell wieder draußen sein“, erzählt Cord. Den Wunsch, Landwirt zu werden, wollten ihm seine Eltern nicht erfüllen. Dafür war der elterliche Betrieb einfach zu klein. Sein erstes Schulpraktikum absolvierte er 1987 bei der Gärtnerei Melle, die damals ihren Standort noch an der Grüppenbührener Straße hatte. „Das haben meine Eltern gemanagt“, erinnert sich Cord. Günter Melle erkannte schnell seine Fähigkeiten und dass dieser Praktikant aus Kühlingen anpacken konnte.

So konnte Cord auch weiterhin in seiner Freizeit hier sein Taschengeld aufbessern. Sein zweites Schulpraktikum absolvierte er im Gasthof „Zur Linde“ bei Familie Sievers in Kühlingen. „Da habe ich nicht nur Bier gezapft, sondern auch Schnitzel geklopft und Apfelkuchen gebacken.“ Als Günter Melle davon hörte, sprach er Cord sofort auf dieses Praktikum an: „Warum Gaststätte? Hast Du in dieser Hinsicht ernste Absichten?“

Die Sorge Melles, einen talentierten Gärtner an die Gastronomie zu verlieren, war unbegründet. Nach seinem Schulabschluss und dem Berufsgrundbildungsjahr begann Cord 1989 bei Melle seine Ausbildung zum Gärtner mit Schwerpunkt „Zierpflanzen“. „Es war und ist mein Beruf. Wenn ich morgens aufstehe, freue ich mich auf die Arbeit“, versichert Cord mir glaubhaft. Nach seiner Ausbildung wurde er übernommen und war 1995/96 tatkräftig am Umzug der Gärtnerei Melle an den neuen Standort an der Birkenheider Straße beteiligt.


Das Jahr 2006 wurde überschattet vom plötzlichen Tod des zukünftigen Juniorchefs Patrick Melle. Es musste weitergehen, und so nahm Günter Melle Cord zur Seite: „Du bist jetzt mein erster Ansprechpartner und mein Stellvertreter.“ Günter Melle wusste nur zu genau, sein Lebenswerk ist unter der Leitung von Cord Drücker in den allerbesten Händen. „Günter hat uns seine Philosophie ,Gut ist nicht gut genug!’ mitgegeben. In allem, was wir tagtäglich tun, steht immer die Pflanze im Vordergrund.“

Ich merke, mit wie viel Herzblut Cord diesen Betrieb führt. Im Büro sehe ich ein Foto von Günter Melle, der lächelnd inmitten seiner Blumen steht. Ich bin mir sicher, es würde ihm gefallen, wenn er sehen würde, wie sein Lebenswerk fortgeführt wird. Cord hat bei der Gärtnerei Melle nicht „nur“ seinen beruflichen Traum erfüllt, sondern hat hier auch seine jetzige Lebensgefährtin Julia kennen gelernt. Sie ist ebenfalls Gärtnerin, arbeitet heute aber für ein anderes Unternehmen. Auf Hobbys angesprochen, meint Cord nur: „Dafür bleibt nicht viel Zeit, denn gerade in den Sommermonaten gehört unsere Aufmerksamkeit den Pflanzen – und die müssen auch an den Wochenenden versorgt werden.“