Ganderkesee - Das Foto vom letzten Mittagessen veröffentlichen, den Beziehungsstatus bekanntgeben oder seinen Gemütszustand teilen: Viele nutzen Facebook täglich, um mit Freunden, Bekannten, aber auch wildfremden Menschen zu kommunizieren. An diesem Montag wird das soziale Netzwerk schon 15 Jahre alt. Aber nicht nur private Nutzer tummeln sich hier, auch Behörden, Institutionen und Vereine haben die Plattform als wichtiges Informationsmedium für sich entdeckt – so auch in Ganderkesee.

Gemeinde

Die Seite „Gemeinde Ganderkesee (Rathaus)“ wurde am 23. Dezember 2010 erstellt. „Allerdings verlief der Start eher unspektakulär, es wurden auch nur sehr unregelmäßig Beiträge gepostet. Das hat sich eigentlich erst ab Mitte 2012 so richtig geändert“, teilt Gemeindesprecher Hauke Gruhn mit.

Mehr als zwei Milliarden Nutzer

Es ist das soziale Netzwerk: Weltweit nutzen mehr als zwei Milliarden Menschen Facebook. Der Harvard-Student Marc Zuckerberg entwickelte Facebook als webbasierte Version eines Jahrbuchs.

Am 4. Februar 2004 ging das Netzwerk online. Zunächst hatten nur Harvard-Studenten Zugriff. 2006 war die Seite öffentlich zugänglich, 2012 ging das Unternehmen an die Börse.

Einerseits wolle die Gemeinde Bürger informieren. „Gerade bei kurzfristigen Ankündigungen gibt es keinen schnelleren Weg, um Neuigkeiten zu verbreiten und Aufmerksamkeit zu erzeugen“, sagt Gruhn. Andererseits erhalte die Gemeinde hier auch regelmäßig Anfragen und Feedback. „Für viele ist Facebook ein niederschwelliges Angebot, um Anregungen zu geben und natürlich auch Kritik zu äußern. Wenn die sachlich ausfällt – umso besser“, sagt Gruhn. Oft bekomme die Gemeinde Straßenschäden oder defekte Laternen gemeldet. „Wir geben das dann an die zuständigen Stellen weiter, aber in solchen Fällen wäre eine direkte Mitteilung an den Kommunalservice Nordwest natürlich noch besser“, sagt Gruhn. Manchmal bekomme die Gemeinde auch Stellenanfragen per Facebook.

Am Donnerstag hat die Facebook-Seite der Gemeinde die Marke von 2000 Gefällt-mir-Klicks geknackt. 56 Prozent der Abonnenten sind laut Gruhn weiblich, 75 Prozent zwischen 25 und 54 Jahren alt. Die Beiträge der Gemeinde werden übrigens auch in den Partnerstädten in Frankreich und Polen sowie in den USA verfolgt. Jeweils einen Abonnenten gibt es unter anderem in Saudi-Arabien und Kolumbien.

Einzelne Beiträge werden schon mal von mehr als 10 000 Menschen angeklickt. Den ersten „großen Wurf“ gab es laut Gruhn nach dem Olympiasieg von Sandra Auffarth. „Wir hatten den Rathausvorplatz damals mit einem Schild in ,Sandra’s Auffarth’ umgewidmet. Orthografisch nicht ganz korrekt – aber das Foto ging in der Reiterszene bundesweit viral“, erinnert sich Gruhn. Generell sei es so, dass sich nachrichtliche Beiträge wie Hinweise auf Straßensperrungen oder aber auch Stellenangebote schnell verbreiten. „Als Facebook-Team der Gemeinde helfen wir natürlich auch gezielt nach und teilen Beiträge in den jeweils relevanten Gruppen“, berichtet Gruhn.

Die Rathaus-Seite wird vom Fachdienst Öffentlichkeitsarbeit betreut. Auch die Gemeindebücherei, die regioVHS und die Jugendhäuser haben seit einiger Zeit Facebook-Auftritte. Es gebe zwar eine enge Zusammenarbeit, die Einrichtungen würden ihre Seiten aber selbst betreuen. Probleme gebe es selten. „Wir verweisen manchmal auf unsere Netiquette, in der die Spielregeln erklärt werden. Normalerweise ist der Umgang zumindest auf den Gemeindeseiten aber gut“, so Gruhn.

Aktuell haben die Jugendhäuser zwischen 180 und 220 Abonnenten, viele davon dürften laut Gruhn aber altersmäßig eher die Eltern der Kinder und Jugendlichen sein. Die Gemeindebücherei hat aktuell knapp 180 Abonnenten, die regioVHS etwas mehr als 250.

Saunahuus

Einen „Shitstorm“ oder ähnliches gab es auch auf der Seite des Saunahuus’ Ganderkesee noch nie, berichtet Henry Peukert, Geschäftsführer der Saunahuus Bäder- und Saunabetriebsgesellschaft Ganderkesee mbH. Ein Nutzer habe allerdings mal gesperrt werden müssen, da er das Saunahuus mit einem Saunaclub verwechselte und eine unangebrachte Ausdrucksweise pflegte.

Das Saunahuus nutzt Facebook seit dem 6. Januar 2017. Anders als auf der Webseite werden hier laut Peukert nicht nur Informationen an die Nutzer weitergegeben, sondern es findet ein reger Austausch mit Besuchern statt. „Fragen werden unkompliziert beantwortet und Gäste können schneller und einfacher Feedback zu Ideen und Anregungen geben“, so der Geschäftsführer. „Die Anregungen der Nutzer sind sehr wichtig für die interne Planung und spiegeln direkt wider, ob und inwiefern Abläufe verbessert werden können.“ Auch würden sich Informationen hier schneller verbreiten als auf der Website. 2053 Facebook-Nutzer folgen dem Saunahuus.

GGV

Das Aktivitätenprotokoll der Gemeinschaft Ganderkeseer Vereine (GGV) geht bis ins Jahr 2011 zurück. Um das soziale Netzwerk komme man nicht mehr herum, sagt Pressesprecher Timo Vetter, der die Seite betreut. Ein Großteil der Zielgruppe sei auf Facebook aktiv. „Hier kann man schnell Nachrichten publik machen. Leider geht das bei schlechten Nachrichten schneller als bei guten.“ Die Seite hat derzeit rund 4760 Fans. „Am größten ist die Reichweite mit Abstand bei der Vorstellung des neuen Prinzenpaares am 11.11.“, berichtet Vetter. Per Facebook bekomme die GGV unter anderem auch Anfragen von Bands, die bei den Büttenabenden auftreten wollen. Und rund um das Hauptwochenende gebe es viele Fragen rund um Einlass und Eintritt, und hinterher die Frage, ob etwas Verlorenes gefunden wurde. Negative Kommentare lösche er nicht. „Es sei denn, sie sind unsachlich, beleidigen jemanden oder sind schlicht falsch.“