GANDERKESEE - In einigen Fällen ist es der sportliche Ehrgeiz, in anderen vielleicht auch der Gruppendruck, der dafür sorgt, dass in rund 20 Ganderkeseer Firmen und Einrichtungen derzeit nicht nur während der Arbeitszeit, sondern auch davor und danach kräftig „gestrampelt“ wird. Seit Anfang Juni – und noch bis zum 31. August – gilt es für rund 225 in Ganderkesee tätige Menschen, an 20 Tagen „Mit dem Rad zur Arbeit“, so der Aktionstitel, zu fahren – im Idealfall in motivationsfördernden Dreierteams.
Bereits kurz davor, ihr Ziel zu erreichen und momentan lediglich durch die Schulferien „ausgebremst“ ist Brunhild Sagel, die in der an ihrem Arbeitsplatz, der Klinikschule des Wichernstifts, ausgehängten Aktionskarte bereits 19 Kreuze gemacht hat. Die Aktion „Mit dem Rad zur Arbeit“ sei jedoch nicht ihre Motivation, aufs Rad zu steigen, denn sie tue das ohnehin, so Brunhild Sagel.
Gleiches gilt für Anke Feldmann, die bei der Jugendhilfe des Wichernstifts tätig ist und wohl einen der weitesten Anfahrtswege zurückzulegen hat. Rund eine Stunde vor und nach der Arbeit, bei Gegenwind auch länger, benötigt die Verwaltungsmitarbeiterin für die knapp 20 Kilometer lange Strecke zwischen Elmeloh und Bremen-Nord. „Man kommt morgens frisch bei der Arbeit an“, beschreibt Anke Feldmann ihren Antrieb. Ein weiteres Argument ist pragmatischer Art: „Außerdem habe ich kein Auto.“
Auch schlechtes Wetter oder ein allzu weiter Arbeitsweg können nicht als Ausrede gelten: Gezählt werden auch die Tage, an denen der Weg zur Bahn und von dort aus zum Arbeitsplatz mit dem Rad bewältigt wurde.
Mit 78 Radlern, die sich für die Aktion angemeldet haben, stellt die Gemeindeverwaltung mit Abstand die meisten Teilnehmer. Organisator Werner Bruns freut sich, dass inzwischen mehr als doppelt so viele Kollegen für die Aktion in die Pedale treten, wie noch vor zwei Jahren. Ihren Weg zum Rathaus legen auch einige Mitarbeiter zurück, die sonst das Auto bevorzugen. „Die Aktion hilft zweifellos, den inneren Schweinehund zu überwinden“, bilanziert Bruns.
Nicht nur die größeren Arbeitgeber wie die Firmen Alphacon, Starofit, Inkoop, GS-Systemtechnik, nord oder die Grundschule Lange Straße haben die Initiatoren von der lokalen Agenda-Gruppe „Fairkehr“ um Elke Mestemacher mobilisiert. Auch Betriebe mit nur wenigen Mitarbeitern wie Praxen und Einzelhändler beteiligen sich. Insgesamt seien in diesem Jahr ca. 20 Betriebe und Einrichtungen dabei, so berichtet Elke Mestemacher.
Für „Fairkehr“ erfüllt die Aktion einen mehrfachen Nutzen. Es gehe zum einen um eine Verringerung des CO2-Ausstoßes, aber auch um eine Sensibilisierung der Teilnehmer für die Situation der Radfahrer, erklärt Elke Mestemacher. „Der Fahrradverkehr ist dem Autoverkehr leider noch nicht annähernd gleichberechtigt.“
„Mit dem rad zur arbeit“ kommt in ganderkesee gut an
