GANDERKESEE - Wenn die Gemeinde Ganderkesee an ihren Plänen festhalten und in Grüppenbühren ein 28,7-Hektar-Gewerbegebiet schaffen sollte, dann steht nach Einschätzung von Fachbereichsleiter Peter Meyer eins fest: Es wird teurer als gedacht. „Und zwar erheblich teurer.“ Der Grund dafür schlummert im Boden: In dem Bereich zwischen Neddenheider Straße und A 28 haben Archäologen nach ersten spektakulären Funden im August auch im November Bemerkenswertes ans Licht gebracht. „Es hört hier einfach nicht mehr auf mit den Entdeckungen“, frohlockte Grabungsleiter Michael Wesemann.
Am Donnerstagabend stellte Peter Meyer (stellvertretend für die erkrankte Bezirksarchäologin Dr. Jana Fries) dem Ausschuss für Wirtschaft und Finanzen die Entdeckungen dar – und auch deren Folgen. Die Ergebnisse der ersten Voruntersuchung (im August): In einer 2,1-ha-Fläche im Nordwesten des geplanten Gewerbegebietes entdeckten die Archäologen 17 Eisenverhüttungsöfen aus der Mittleren Vorrömischen Eisenzeit (400 bis 300 v. Chr.) – und in einer 3,4-ha-Fläche in der nordöstlichen Ecke Gruben, Gräben, Pfostenlöcher und Keramik aus der Jüngeren Vorrömischen Eisenzeit (um Jesu Geburt).
Im November wurden dann 7,1 ha südlich in Richtung A 28 voruntersucht. Die Ergebnisse: acht weitere Verhüttungsöfen – so dass Jana Fries in dem Gebiet insgesamt mehr als 300 solcher Öfen vermutet. „Das war auch schon fast ein Gewerbegebiet.“ Ebenfalls entdeckt wurden zwei Meilergruben für die Verhüttung von Holzkohle.
Ein Fazit des Landesamtes für Denkmalschutz: Falls das Gelände für ein Gewerbegebiet erschlossen werden soll, seien Ausgrabungen „unerlässlich“. Allein für die bislang voruntersuchten Flächen werde das etwa 300 000 Euro kosten, sagte Meyer. Der Ausschuss entschied, die neuen Informationen erst mal sacken zu lassen. Später solle der Gemeindeentwicklungsausschuss über die Zukunft der Gewerbepläne diskutieren.
Freilich: Die Funde brächten womöglich auch Chancen, der Acker könne vielleicht zum Besuchermagneten werden, meinte Dietmar Mietrach (CDU). „Was für Osnabrück die Varusschlacht ist ...“, träumte Ausschussvorsitzender Hans-H. Hubmann schon mal laut.
