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Artenschutz In Ganderkesee „Bienenglück“ – Das Feldexperiment geht weiter

Ganderkesee - Es scheint ein echtes Erfolgsmodell zu sein, was Landwirt Onno Osterloh da im Frühjahr zusammen mit dem Landschaftsökologen Dr. Klaus Handke und dem Imker Franz Winzinger initiiert hat. Das „Bienenglück“ – eine bis dato drei Hektar große Blühwiese mit Insektenlehrpfad an den Bürsteler Fuhren in Ganderkesee – hat nicht nur zahllose Vogel- und Insektenarten angelockt, sondern auch als Ort der ökologischen Bildung überzeugt.

Dieses Fazit zogen Osterloh und Handke am Freitag zusammen mit Jan Juister, landwirtschaftlicher Berater aus Hude, der das Team inzwischen mit seiner Expertise im Saatgutbereich verstärkt.

Gut 100 Pflanzenarten

Kurzer Rückblick: Auf 56 Klein- sowie acht Großparzellen waren mehr als 100 Pflanzenarten sortenrein und auch als Samenmischungen gesät worden. Zudem schufen die „Bienenglück“-Initiatoren am Ackerrand insektenfreundliche Strukturen unter anderem mit Kies, Sand, Totholz, Strohballen, Steinen. Als die Flächen in voller Blüte standen, wurden dort schließlich Bienenvölker aufgestellt.

Erklärtes Ziel des Projekts: herauszufinden, welche Pflanzen am Standort am besten gedeihen, wie über einen möglichst langen Zeitraum die Nahrungsversorgung der Vogel- und Insektenwelt sichergestellt werden kann und welche Tierarten welche Pflanzen bevorzugen. Zudem sollte das „Bienenglück“ als Lernort dienen.

„Hotspot der Artenvielfalt“

Trotz des trockenen Sommers sorgten die Resultate bei den Initiatoren wiederholt für Überraschungsmomente: „Wir hätten alle nicht gedacht, dass es mal so vielfältig werden würde“, sagte Handke über die Entwicklung von Flora und Fauna. So sei die Fläche zu einem „Hotspot der Artenvielfalt“ geworden. Unter anderem beobachteten der Landschaftsökologe und seine Mitstreiter mehr als 20 Tagfalter-Arten, Hummeln und Schwebfliegen. Auch seltene Arten wie Neuntöter oder Postillonfalter wurden nachgewiesen. Mehr als 260 Grünfinken hätten sich auf den Sonnenblumen wohlgefühlt, die die Blühstreifen vom angrenzenden Maisfeld trennten, so Handke.

Paten und sponsoren gesucht

Bislang ist für 2020 die Ansaat von 1,3 Hektar Blühwiese gesichert. Ziel der „Bienenglück“-Initiatoren ist es, wieder mindestens auf drei Hektar die Artenvielfalt zu fördern, neue Erkenntnisse zu gewinnen und die Öffentlichkeit zu informieren.

Patenschaften sind ab 1 Euro möglich. Onno Osterloh bietet an, eine Patenschaft zum Weihnachtsgeschenk zu machen: Ab einem Betrag von 20 Euro (für 20 Quadratmeter) wird eine entsprechende Urkunde ausgestellt. Der Hof Osterloh in Immer ist unter t   04222/4 00 06 00 zu erreichen sowie per Mail (bienenglueck@hof-osterloh.de).

Auch das erhoffte öffentliche Interesse am „Bienenglück“ war groß: So gab es zehn Gruppenführungen über die Fläche, ein Schulfest mit 240 Kindern und auch die Fachwelt zog das Projekt an. Nicht nur Landwirte aus der Region hätten sich umgesehen, berichtete Osterloh, sondern auch Vertreter von Saatgutherstellern. „Ein Unternehmen hat seine Saatmischung direkt nach dem Besuch angepasst“, sagte Juister. Ein Hersteller aus Schleswig-Holstein habe angekündigt, im Jahr 2020 mit einem ganzen Bus anreisen zu wollen.


Künftig Kleinstparzellen

Auf Basis der gewonnenen Erkenntnisse soll das Feldexperiment 2020 auf 100 bis 120 Kleinstparzellen (ab 20 Quadratmeter) fortgeführt werden. Ihren Fokus wollen die Initiatoren verstärkt auf die Einsaat von Pflanzenmischungen mit einheimischen und schattenliebenden Pflanzen richten. „Was unter Bäumen gut wächst, ist für die Landwirtschaft von großem Interesse“, erklärte Osterloh. Auch weitere Pflegemaßnahmen, um mehrjährige Arten zu fördern, wollen er und seine Kompagnons erproben. Und entlang des Ufers der Dummbäke sollen Hochstauden gepflanzt werden.

In puncto Öffentlichkeitsarbeit werden die „Bienenglück“-Aktivisten ebenfalls einige Schritte weiter gehen: Ihre Aktionen und Führungen wollen sie in einem Jahresprogramm bewerben. Zudem werde es zum Jahresende einen Vortrag geben, so Handke. Er plant außerdem Insektenseminare, deren Erlös er in das Projekt fließen lassen möchte.

Karoline Schulz
Karoline Schulz Redaktion Ganderkesee
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