GANDERKESEE - Keine Poster oder Fotos zieren die Wand über Ronja Heitmanns Bett – doch ein einziger Gegenstand nimmt den Blick sofort beim Betreten des Mädchenzimmers gefangen: eine riesengroße USA-Flagge. „Ich bin Amerika-Fan, seit ich denken kann“, sagt die 17-Jährige. Besonders fasziniert sei sie von den unterschiedlichen Landschaften, der Kultur und der Freundlichkeit der Menschen in den Vereinigten Staaten.

Zweimal hat Ronja ihr Traumland bislang bereist. Mit ihren Eltern, die die Faszination für das Land der unbegrenzten Möglichkeiten teilen, war sie an der West- und der Ostküste unterwegs. Nun nimmt Ronja Kurs auf den Sonnenstaat Florida. Den Realschulabschluss in Tasche, möchte die Ganderkeseerin zehn Monate lang die Highschool besuchen.

Seit einem Anruf ihrer Austauschorganisation ist Ronja Heitmanns Traum allerdings gefährdet. Zunächst hatte sie die Nachricht bekommen, dass der Regionenwunsch „Südosten der USA“ nicht erfüllt werden könne. Kürzlich dann folgte die Nachricht, dass eine Gastfamilie gefunden sei – in einem 1700-Seelen-Dorf in Alabama. „Die Fotos von der Familie zeigten eine dunkle Bruchbude, die alles andere als einladend war“, beschreibt Ronja ihre ersten Eindrücke von der Gastfamilie. In eine Großstadt vermittelt zu werden, erwartet die 17-Jährige nicht. „Aber so groß wie Ganderkesee sollte mein Wohnort schon sein“, findet Ronja.

Vor allem aber erwartet die Gastschülerin von ihrem Zuhause auf Zeit, dass sie sich dort wohlfühlen kann – und eben das wäre bei der vorgeschlagenen Familie ausgeschlossen gewesen, glaubt sie. „Auf den Fotos war alles total dreckig und lieblos eingerichtet“, berichtet sie. Auch die Eltern des Teenagers hatten ein ungutes Gefühl und schlugen das Angebot aus.

Am liebsten würde sie an ein Elternpaar mit zwei kleinen Kindern, einer Katze und einem Hund vermittelt werden, beschreibt Ronja Heitmann ihre Traumfamilie. „Babysitting wäre kein Problem.“


Nun gilt es, innerhalb weniger Tage eine neue Gastfamilie zu finden. „Mein Visum läuft Ende des Monats ab“, erklärt Ronja. Bis zum 31. August müsse sie zwar nicht zwingend ausreisen, jedoch müsse der künftige Aufenthaltsort feststehen. Die von der Austauschorganisation vorgeschlagene Alternative wäre für die Ganderkeseerin nur ein Notnagel. „Ich hätte die Möglichkeit, nach Irland zu gehen. Aber dort müssten wir für einen siebenmonatigen Aufenthalt mehr bezahlen als für die zehn Monate in den USA.“

Für die Vermittlungsschwierigkeiten verantwortlich sei die Wirtschaftskrise in den USA, hat Ronja von ihrer Organisation erfahren. Es würden deutlich weniger Gastfamilien zur Verfügung stehen als in anderen Jahren.

Trotz der widrigen Umstände ist Ronja optimistisch, dass noch rechtzeitig eine Familie gefunden wird. Auch ihre Agentur habe ihr versichert, dass die Suche auf Hochtouren laufe. „Am meisten freue ich mich auf die Highschool und darauf, nette Leute kennen zu lernen!“ Auch das größere Fächerangebot reizt sie.

In ihrer Freizeit möchte Ronja ihre Hobbys mit landestypischen Aktivitäten kombinieren. „Ich will auf jeden Fall weiter tanzen und Golf spielen“, sagt Ronja, deren Freund als Tanzlehrer tätig ist und sie in den USA besuchen möchte. Und im Cheerleading möchte sie sich versuchen. Dass die Gastschülerin auch in dieser typisch amerikanischen Sportart eine gute Figur machen wird, ist sehr wahrscheinlich: Als Mitglied der Weiß-blauen Funken hat sie jede Menge Erfahrung im Gardetanz.

Dass der Fasching 2012 – sollte es mit der Vermittlung noch klappen – ohne sie stattfinden wird, ist für die ehemalige Kinderprinzessin ein echtes Opfer. „Den Fasching werde ich mit am meisten vermissen“, weiß Ronja Heitmann. Umso mehr freut sie sich darauf, nach ihrer Rückkehr in der Grünen Garde durchzustarten.

Karoline Schulz
Karoline Schulz Redaktion Ganderkesee