Ganderkesee - Seit 50 Jahren gibt es Geldautomaten in Deutschland – dennoch sind die Geräte nicht Jedermanns Sache. Fritz Hobbensiefken geht immer noch lieber zur Kasse, wenn er sich einmal im Monat das Geld holt, das er und seine Frau zum Leben brauchen. Der Rentner aus Hestern reagierte deshalb verstimmt, als ihm jetzt Mitarbeiter der Vereinigten Volksbank in Ganderkesee sagten, dass dies künftig nicht mehr möglich sei und er sich bitte am Automaten bedienen möge.

„Ich fühle mich ausgegrenzt und an den Rand gedrückt durch Automatisierung und Digitalisierung“, beklagt der 75-Jährige. Natürlich hat auch er schon die Girokarte in den Schlitz des Automaten gesteckt, um sich mit Bargeld zu versorgen. Aber für den Betrag, den er für den Lebensunterhalt regelmäßig vom Konto abhebt und der über die an Geldautomaten abzuhebende Summe hinausgeht, füllte er bisher einen Auszahlungsbeleg aus und ließ sich das Geld am Kassenschalter vorzählen und aushändigen. Vor ein paar Tagen wollte er es wieder so tun, daraufhin habe man ihn freundlich aber bestimmt an den Geldautomaten verwiesen. Damit er dort die hohe Summe abheben konnte, wurde seine EC-Karte freigeschaltet.

„Im Automatenraum hatte ich beim Nachzählen des Geldes ein ungutes Gefühl“, sagt Hobbensiefken. Er möchte weiter den Kassenschalter nutzen können. Doch als er am Dienstagmorgen noch einmal nachfragte, ob dies möglich sei, habe eine Angestellte das verneint.  Ein Missverständnis, versicherte auf Nachfrage der NWZ Volksbank-Vorstand Oliver Frey: „Wir haben uns entschieden, in unseren Hauptstellen weiterhin eigenständige Kassen vorzuhalten.“ Eingeschränkt worden seien lediglich die Öffnungszeiten der Kasse, die an den Nachmittagen nur noch donnerstags genutzt werden könne, vormittags hingegen weiter täglich. Gleichwohl versuche die Bank, auch die älteren Kunden zur Nutzung der SB-Geräte zu bewegen. „Weil es noch Menschen gibt, die das nicht möchten“, so Frey, sei es aber in der Volksbank auch für Privatkunden auf Wunsch weiter möglich, sich Geld an der Kasse auszahlen zu lassen. Das wolle er Fritz Hobbensiefken auch persönlich mitteilen.

In der Tat ist aber die Volksbank das einzige Institut in Ganderkesee, das die Bargeldversorgung an der Kasse noch zulässt. Die Oldenburgische Landesbank (OLB) hat bereits bei ihrem Wechsel zum neuen Standort an der Grüppenbührener Straße im April 2016 die Kassen dicht gemacht. „Hartgeldmünzen für Geschäftsleute ist das einzige Bargeld, das wir noch in die Hand nehmen“, sagte Filialleiter Burkhard Müller. Die Umstellung habe einigen älteren Kunden Schwierigkeiten bereitet. „Wir haben ihnen aber geholfen und inzwischen freuen sie sich sogar darüber.“

Auch bei der Landessparkasse zu Oldenburg wird es nach dem Umzug vom Markt in den Neubau am Grünen Weg keine Auszahlungen an der Kasse mehr geben. Stattdessen erhalten Kontoinhaber bei höheren Summen eine Karte, auf der ihr Auszahlungswunsch gespeichert ist, und gehen damit zum Geldautomaten. Bereits jetzt würden die Kunden darauf vorbereitet, sagte LzO-Sprecher Hans Günter Rostalski. „Wir haben in vielen Filialen schon keine Kassen mehr.“

Hergen Schelling
Hergen Schelling Redaktion für den Landkreis Oldenburg (Leitung)