Ganderkesee - Im neuen Ganderkeseer Baugebiet „südlich Oldenburger Straße“ haben die vorbereitenden Arbeiten begonnen – und prompt für Irritationen in der Nachbarschaft gesorgt: Dass ganz im Westen des Gebietes, wo ein geschütztes Biotop erhalten bleiben soll, in dieser Woche die Motorsägen angesetzt und große Teile der Gehölze entfernt wurden, schürte bei einigen Anliegern den Verdacht, hier erfolge ein Kahlschlag.

So ist es aber nicht, wie Jörg Brümmer vom Amt für Naturschutz und Landschaftspflege des Landkreises Oldenburg auf Nachfrage der NWZ erklärte. Es gehe bei der Maßnahme vielmehr darum, das Biotop als Weiden-Sumpfgebiet zu erhalten. Denn in den vergangenen Jahren sei die Fläche immer wieder ausgetrocknet. „Unser Ziel ist es, das Gebiet wieder nasser zu bekommen“, sagte Brümmer.

Keine spektakulären Funde

Archäologisch untersucht wurde das Baugebiet „südlich Oldenburger Straße“ Ende November/Anfang Dezember 2017. Dabei seien einige Bodenbefunde und Scherben vorgeschichtlicher Keramik gesichert worden, sagte Daniela Behrens von der Firma Denkmal 3D (Vechta). So spektakulär wie 2012 im Gewerbegebiet Ganderkesee-West waren die Funde aber nicht. Deshalb konnte das Gebiet aus archäologischer Sicht zur Bebauung freigegeben werden.

Deshalb werden in der Kernzone nun die Gehölze entfernt, da sie mit ihren Wurzeln sehr viel Wasser aus dem Boden ziehen. In den Randbereichen bleiben Bäume und Büsche indes stehen. „Das sieht auf den ersten Blick brutal aus“, räumt Jörg Brümmer ein, „aber es macht naturschutzfachlich Sinn.“

Das erkennt auch Jochen Rackebrandt an, der von seinem Grundstück am Matthias-Claudius-Weg direkt auf das Biotop blickt und am Mittwoch zunächst erschrocken war vom Ausmaß der Sägearbeiten. Nach einer Begehung mit Jörg Brümmer am Donnerstagmorgen erkannte er die Notwendigkeit der Arbeiten aber an. „Ich ärgere mich nur, dass wir Anlieger darüber nicht im Vorfeld informiert worden sind“, sagte Rackebrandt, „das hätte viel Aufregung vermieden. So wird man vor vollendete Tatsachen gestellt.“

Es sei beabsichtigt gewesen, die Anlieger zu informieren, erklärte dazu Peter Meyer, Leiter des Fachbereichs Gemeindeentwicklung im Rathaus. Weil ein Mitarbeiter plötzlich erkrankte, sei dies leider nicht geschehen. Auch Meyer betonte, dass mit den jetzt vorgenommenen Arbeiten eine Aufwertung des Biotops angestrebt wird. Der Erschließungsträger, die Schüttke Haus-Bau GmbH, habe eine Firma mit den Arbeiten beauftragt und die Gemeinde, in deren Eigentum das Biotop nach Fertigstellung des Baugebietes übergeht, darüber in Kenntnis gesetzt.

Auch der Erschließungsträger verteidigt die Notwendigkeit der Maßnahmen: „Die Bäume in der Mitte müssen raus, aber das Biotop wird wieder hergestellt“, versichert Seniorchef Hans-Dieter Schüttke. Er hofft, dass spätestens Ende März die Erschließungsarbeiten mit der Anlegung von Straßen und Versorgungsleitungen beginnen können.


Die Vermarktung des Gebietes läuft laut Schüttke unterdessen sehr gut: Nur ein Bauplatz ist aktuell noch zu haben. 52 Grundstücke für Einzel- und Doppelhäuser sowie neun für Mehrfamilienhäuser sind geplant – insgesamt entstehen mehr als 100 Wohneinheiten in dem 15 Hektar großen Baugebiet. Rund fünf Hektar im Süden und Westen bleiben als geschützte Landschaftsbestandteile unbebaut – darunter das Biotop, in dem jetzt die Sägearbeiten stattfanden.

Hergen Schelling
Hergen Schelling Redaktion für den Landkreis Oldenburg (Leitung)