GANDERKESEE - „Spektakulär? Muss denn immer alles spektakulär sein?“ Nein, das Aufsehenerregende ist Jürgen von Seggerns Sache nicht. Nicht im Berufsleben (die obige Antwort kam auf die Frage nach spektakulären Ereignissen in den zurückliegenden gut 40 Jahren) und auch nicht im Ruhestand. Den tritt der 60-jährige Vorstand der Volksbank Ganderkesee-Hude am 1. November an.
Ende 1967, die Datenverarbeitung steckte mit Lochkarten in den Kinderschuhen, entschied sich der Ganderkeseer für eine Ausbildung bei der Bank, die noch Raiffeisen-Bank Ganderkesee hieß. Seinerzeit ein Wunschberuf? „Sagen wir es mal so: In den 60er Jahren hatten die Eltern noch einen größeren Einfluss auf die Berufswahl ihrer Kinder“, schmunzelt Jürgen von Seggern. Und da er nach eigener Aussage „eher eine Ausprägung für praktische Zahlen“ hatte und das „theoretische Rechnen“ ihm weniger lag, freundete er sich schnell mit dem Beruf an, der schließlich zu so etwas wie ein Traumjob wurde: „Ich habe es nie bereut, den Beruf ergriffen zu haben.“
Dazu beigetragen hat auch „das Glück, mit guten Kollegen und Mitarbeitern arbeiten zu können“, so der 60-Jährige. „Es ist ja keine Lebensleistung, dass ein von Seggern 30 Jahre an der Spitze sitzt. Da gehört eine Mannschaft dazu“, meint er bescheiden. Und fügt dann aber lächelnd hinzu: „Es hat der Bank wohl nicht geschadet, dass von Seggern da war.“
Zur Zufriedenheit trug sicher auch bei, dass bereits der junge Banker die Chance erhalten hatte, sich auf den Chefposten zu bewerben. Diesen hat er seit 1981 inne – derzeit zusammen mit Jürgen Kikker. War der junge Vorstand damals Chef von 16 Mitarbeitern in Ganderkesee, wuchs deren Zahl durch Fusionen zunächst mit der Raiffeisenbank Falkenburg, im Jahr 1998 schließlich mit der Volksbank Hude auf derzeit mehr als 100 in sechs Betriebsstellen an. In die Zukunft blickend werde der Zusammenschluss in der Region aber wohl nicht der letzte gewesen sein, ist sich Jürgen von Seggern sicher.
Die Bank sei dabei stets „eine Bank in der Region“ geblieben. „Wir haben nie mit Dingen hantiert, die sich am Rande der Legalität bewegen“, übt er Kritik an der Praxis manch Groß- oder Landesbank, die die Branche und die Welt in die jüngste Krise gestürzt hat. Gedanken, an eine Bank in Bremen oder Hamburg zu wechseln, habe er nie gehabt.
Ab Montag wird er „Abstand zu gesetzlichen Vorschriften und Regelungen gewinnen“. Wie genau der Ruhestand verlaufen wird? „Ich werde kein Buch schreiben und nicht in die Politik gehen“, verrät er. Dafür wird er mit seiner Frau – beide sind seit 40 Jahren große Frankreichfans – mehr Zeit im Haus an der bretonischen Küste verbringen, viel lesen, das ein oder andere Glas Wein trinken und einfach mal „die Seele baumeln lassen“. – Ganz unspektakulär.
