GANDERKESEE - Rationalisieren ist kein einfaches Unterfangen, besonders nicht im Service-Sektor. Dem Unternehmen muss es gelingen, menschliche Leistungen dergestalt zu ersetzen, dass die Einsparung dem Kunden nicht aufstößt, beziehungsweise bestenfalls als Verbesserung auffällt. Ein Beispiel für dieses behutsame Bemühen, das zugegebenermaßen oftmals innovative Produkte zutage bringt, ist die neue „Packstation“ der Post am Inkoop-Markt. Das Paketsystem soll dem Ganderkeseer Kunden seit Dienstag ermöglichen, Pakete rund um die Uhr zu versenden und abzuholen sowie Portomarken zu kaufen.

„Eine wunderbare Erfindung“, findet Kadir Canakci. Für den Paketzusteller bedeute der Service zwar zusätzliche Arbeit, doch der Kunde in Ganderkesee werde bestimmt von der Neuerung profitieren, ist sich Canakci sicher – „einfach ein Fach zum Verlieben“, lächelt der Postangestellte.

Nicht für alle. Das Paket aus Finnland, das Rainer Dietrich zuhause nicht annehmen konnte, liegt – für ihn unzugänglich – in der „Packstation“. „Ich konnte das Fach nicht öffnen“, erklärt der Ganderkeseer ratlos, die Bedienung habe ihn überfordert – „wie soll es dann erst älteren Menschen gehen?“ Jetzt muss sich Dietrich zwei weitere Tage gedulden, bis er das Paket in der 100 Meter entfernten Filiale abholen kann.

Die Klage am ersten Tag verwundert Post-Sprecherin Maike Wintjen. Auch mit älteren Herrschaften habe man sonst „keine durchweg schlechten Erfahrungen gemacht.“ Außerdem sei niemand gezwungen, die „Packstation“ zu nutzen, der Service sei freiwillig – „um dort Pakete abholen zu können, muss man sich registrieren“, erklärt sie. Nur am Anfang böte die Post auch nicht-registrierten Kunden wie Dietrich die Möglichkeit an, die „Packstation“ zu nutzen – „um für die Vorteile zu werben.“

Auf der anderen Seite des Einkaufsmarktes sehen die Angestellten der Post-Partnerfiliale ihre Arbeitsplätze gefährdet. „Jeder Automat ersetzt einen Angestellten“, sagen sie. Sie erkennen die Innovation als das, was sie auf lange Sicht sein wird: eine Rationalisierung. Laut Postangaben sollen bis 2009 1500 weitere „Packstationen“ in Betrieb genommen werden.