GANDERKESEE - Für Biogasanlagen-Betreiber Arnd Schwarting ist es „der erste Schritt zur Realisierung einer Ringleitung für Biogas um Ganderkesee“, für den Geschäftsführer des Delmenhorster St. Josef-Stiftes, Thomas Breidenbach „vielleicht sogar ein bundesweites Pilotprojekt“. Gemeint ist dasselbe: die Gaslieferung der Biogasanlage Welsetal GmbH & Co. KG an das Krankenhaus, die am Donnerstag vertraglich festgelegt wurde.
Biogas für die Produktion von bis zu 4,5 Millionen kWh Wärme wird über eine noch zu verlegende 5,2 Kilometer lange Gasleitung in den Keller des Klinik-Wohnheims geleitet. In Delmenhorst wird das Bio-Rohgas in sogenannten Mikrogasturbinen zu Wärme und Strom umgewandelt. Die Investitionen belaufen sich auf rund 1,5 Millionen Euro.
Für Arnd Schwarting liegt in solchen Modellen die Zukunft. „Hauptkritikpunkt an Biogasanlagen ist der niedrige Wirkungsgrad“, so der Landwirt. Da bisher vor allem auf Stromproduktion gesetzt werde, für die Wärme häufig aber kein Abnehmer da sei, könne man zurecht eine unzureichende Effizienz beklagen. Anders die Mikrogasturbinen: Diese kämen auf einen Wirkungsgrad von mehr als 80 Prozent der zugeführten Energiemenge, herkömmliche Großkraftwerke auf nur 40 Prozent. „Es sollten nur noch Biogasanlagen genehmigt werden, die ein sinnvolles Vollwärme-Konzept vorweisen können“, so Schwarting.
Anders als beim ersten Großabnehmer Wichernstift, das Wärme aus der Biogasanlage in Elmeloh erhält, soll ab Mitte 2011 Rohgas nach Delmenhorst strömen. Für Schwarting hat dieses Verfahren neben der höheren Effizienz einen weiteren Vorteil: „Die Wertschöpfung bleibt in der Region“, meint er. Das Biogas werde nicht mehr aufbereitet und ins Erdgasnetz eingespeist.
Derzeit fehlen noch Genehmigungen für die Verlegung der Gasleitung entlang der Oldenburger Straße und Oldenburger Landstraße. Weite Teile sollen durch Horizontalbohrungen verlegt werden.
„Wir haben einen enormen Wärmebedarf“, erläuterte Breidenbach und nannte als Beispiel nur Küche und Bewegungsbad. Er erwarte Einsparungen „von 30 bis 40 Prozent“. Mit der produzierten Wärme solle vor allem das 3500 Quadratmeter große Gesundheitszentrum mit Praxen und einer Kinderkrippe versorgt werden, so der Krankenhaus-Geschäftsführer weiter.
Für den Ausbau der geplanten Ringleitung um Ganderkesee setzt Schwarting auf weitere Abnehmer („Gespräche mit der Gemeinde werden forciert, um das Schulzentrum anzubinden“) und auf Kooperation. So sei auch die Zusammenarbeit mit den Stadtwerken Delmenhorst angestrebt. Andererseits könne er sich die Gründung einer Genossenschaft der Biogasanlagen-Betreiber vorstellen. Ziel sei es, das Gros des Biogases abzuführen und Wärme sinnvoll einzusetzen.
