GANDERKESEE/BOOKHOLZBERG - Ein Lkw von links, ein Traktor von hinten und ein nicht abreißender Strom von Autos von rechts – diese Situation ist an der Einmündung der Huder Straße auf die Stedinger Straße in Bookholzberg Alltag. Für Fußgänger kein größeres Problem, schließlich kann die Bundesstraße dank der vorhandenen Fußgängerampel gefahrlos überquert werden. Selbst dann, wenn die Lichtzeichenanlage wegen des geringeren Verkehrsaufkommens am Wochenende oder abends ausgeschaltet ist, reicht ein kurzes Beobachten der Verkehrssituation meist aus, um die Straße zum richtigen Zeitpunkt zu queren.

Aber was tun sehbehinderte Menschen, um sich im Straßenverkehr zu orientieren? „Für die meisten ist eine Signalampel die einzige Möglichkeit, sich eigenständig zu bewegen“, weiß Erich Strodthoff, der vor rund zehn Jahren erblich bedingt erblindete. Und eben dieses Signal – sei es akustischer Art oder eine Vibrationsplatte, die die Grünphase anzeigt – fehlt in Bookholzberg. Der Arbeitskreis der Selbsthilfe- und Initiativgruppen Ganderkesee (ASG) stellte nun einen Antrag an die Gemeindeverwaltung, in dem er auf die Notwendigkeit eines akustischen Freigabesignals für Sehbehinderte hinweist, das im Zuge der geplanten Umgestaltung der Kreuzung installiert werden soll.

„Ein Blinder muss den Ampelmasten ja erstmal finden“, erklärt Erich Strodthoff, der mit Hilfe eines Langstocks und einer geringen Restsehfähigkeit völlig selbstständig im Straßenverkehr unterwegs ist. Vorbildlich seien in dieser Hinsicht die Ampeln Ecke Ring/Bergedorfer Straße und an der ehemaligen Post.

Dass ein Signalton nicht nur Sehbehinderten zu mehr Eigenständigkeit verhilft, erklärt die ASG-Vorsitzende Doris Josquin: „Ein gehbehinderter Mensch wie ich guckt beim Gehen nicht nach vorn, sondern auf den Boden. Da hilft ein Signal sehr.“ Auch alte Menschen und Kinder könnten sich an einem Tonsignal leichter orientieren.

Unsicherheit durch fehlende Hilfen entstehe übrigens, wie Erich Strodthoff berichtet, nicht nur bei den Blinden selbst. Auch Autofahrer würden irritiert, wenn ein Blinder die Straße nur „nach Gehör“ überquert und möglicherweise den Verkehr behindert.


Mit seinem Antrag auf eine sehbehindertengerechte Ampelanlage hat der ASG durchaus Aussicht auf Erfolg. „Standardmäßig werden Ampelanlagen nicht mit Signal ausgestattet. Aber die Forderung wurde schon im Vorfeld der Planung an uns herangetragen, und wir sind im Gespräch mit dem Straßenbauamt“, so Michael Kleinert, zuständiger Fachdienstleiter bei der Gemeindeverwaltung.